<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?><?xml-stylesheet href="http://www.blogger.com/styles/atom.css" type="text/css"?><feed xmlns='http://www.w3.org/2005/Atom' xmlns:openSearch='http://a9.com/-/spec/opensearchrss/1.0/' xmlns:georss='http://www.georss.org/georss' xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'><id>tag:blogger.com,1999:blog-8736640020032074926</id><updated>2012-02-15T22:38:51.271-08:00</updated><title type='text'>Bad Alchemy reviews</title><subtitle type='html'></subtitle><link rel='http://schemas.google.com/g/2005#feed' type='application/atom+xml' href='http://a23h-ba.blogspot.com/feeds/posts/default'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8736640020032074926/posts/default?max-results=100'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://a23h-ba.blogspot.com/'/><link rel='hub' href='http://pubsubhubbub.appspot.com/'/><author><name>kurt</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><generator version='7.00' uri='http://www.blogger.com'>Blogger</generator><openSearch:totalResults>14</openSearch:totalResults><openSearch:startIndex>1</openSearch:startIndex><openSearch:itemsPerPage>100</openSearch:itemsPerPage><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8736640020032074926.post-2793133617564147058</id><published>2011-10-15T06:24:00.000-07:00</published><updated>2012-01-01T19:32:19.059-08:00</updated><title type='text'>SEON AVALANCHE - SEOUL SOUL</title><content type='html'>&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;"&gt;ALFRED 23 HARTH sagt als halber Koreaner Seon (wo Japaner Zen sagen). Dass sein Streben nach Seelenfrieden und Erleuchtung irdischer Verwer­fungen, Eruptionen und Lawinen gewärtig ist, zeigte beispielhaft sein Auftritt mit&lt;b&gt; 7k OAKS&lt;/b&gt; beim Open Circuit-Interact Festival im belgischen Hasselt 2008. Als &lt;b&gt;Entelechy&lt;/b&gt; (Die Schachtel, DSZEIT 13) ist über­liefert, mit was Harth, Luca Venitucci an Keyboards, Massimo Pupillo am E-Bass und Fabrizio Spera an den Drums damals das Publikum konfrontierte. Treffender als mit dem oxymoronen 'Seon Ava­lanche' hätten die anfänglichen 17 Min. kaum getauft werden können. Grummelnd und knurrend löst sich im kollektiven, von Pupillo mit rauem Splatterbassgelärme geschürten Furor eine Klang­lawine mit perkussivem Blitz und Donner und keyboardistischem Eifer, als würde Venitucci neben den Fingern auch noch mit den Ellbogen und der Stirn auf die Tasten einhämmern. Und Harth gießt Öl ins Feuer mit erhabenen Tenorstößen, die sich zuspitzen zu unvermutet himmelschreien­der Intensität. Dann lässt er Raum für die Keyboards, den von kakophonen Effekten umrauschten reibeisernen Bass und das Drumming, sich aufzufächern. Um wieder einzusteigen mit einer weiteren gutturalen, immer unwiderstehlicheren Tenorattacke, die mit Feuereifer auf Gipfel des süßen Wahnsinns, in die Erleuchtung, die Auferstehung jagt. Aber ohne präzise Katharsis deeskaliert das Quartett zu 'Soziale Plastik' und verweist damit, wie schon mit dem Bandnamen, auf Joseph Beuys. Mit Bassklarinettengemurmel und tachistischen Geräuschflocken nimmt sich die Band zurück und gibt dem Beuysschen Ideal Raum, jetzt im mit allen geteilten Wachsein gemeinsam zu atmen. Pupillo kratzt und splittert noisige Späne. Keyboards und Electronics dröhnen und schimmern, jetzt schon, wieder ohne Schnitt, bei 'Labor Anti-Brouillard'. Benebeln ist nicht das Ziel. Im Gegenteil. Spera klopft mit Muscheln, der Bass brummt, Harth schnaubt mit Pocket Trompete, Venitucci stakst fingerspitz. Ein Speragroove treibt und stützt einen Harthschen Halteton und die erneut anschwellende Intensität. Bis Harth auf dem Tenor eine hier und so nicht erwartete, erst nur ganz fragile Version von 'At Last I Am Free' anstimmt und mit dem Herzen auf der Zunge zartbitterste Gefühle weckt, die 7k Oaks dann mehr und mehr wie ganze Eichenwälder aufrauschen lässt. Dabei sind Zeilen wie &lt;i&gt;I can hardly see in front of me und But who am I fooling When I know it's not real? I can't hide All this hurt and pain inside I feel &lt;/i&gt;mit ihrer vergifteten Freiheit nicht weniger oxymoron als der Auftakt. Einsichten, die einen wie Lawinen unter sich begraben. [ba 71 rbd]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: Times;"&gt;In BA 71 by Rigobert Dittmann&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;&lt;u&gt;* Number 1 of BA's Favourites 2011&lt;/u&gt;&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8736640020032074926-2793133617564147058?l=a23h-ba.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://a23h-ba.blogspot.com/feeds/2793133617564147058/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8736640020032074926&amp;postID=2793133617564147058' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8736640020032074926/posts/default/2793133617564147058'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8736640020032074926/posts/default/2793133617564147058'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://a23h-ba.blogspot.com/2011/10/seon-avalanche-seoul-soul.html' title='SEON AVALANCHE - SEOUL SOUL'/><author><name>kurt</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8736640020032074926.post-1290246981779666969</id><published>2011-09-16T20:35:00.001-07:00</published><updated>2011-09-16T20:38:14.905-07:00</updated><title type='text'>RED CANOPY (Kendra Steiner Editions, KSE #200, 3" CDr)</title><content type='html'>Dieses Kleinod hat seinen Namen von der roten Markise an Alfred 23 Harths Laubhuettestudiofenster in Seoul. Dahinter entstanden 7 kleine Stücke, in kreativer Spielerei mit Material, das schon 2005 im Hinblick auf den Mother-of-Perl-Release NUN aufgenommen worden war. Aus Spuren des Pianos von Soojung Kae und des Kontrabasses von Chang U Choi, dazu eigenen Reedklängen und einigen weiteren Zutaten, komponierte der große Laubhuettenfrosch Wunderkammerjazz oder, einfacher gesagt, Harthmusik. Für ihn sind es persönliche Notizen "über Leben &amp; Leid", wie er es mir gegenüber nannte, Reminiszensen an eine Zeit, in der sich im Schatten der Erinnerung Erquickliches mit Unbehaglichem mischt. Für unsereins sind es Klanggedichte. Er bettet seinen klangvollen, hitzigen, bei '8th day' sogar im Chor aufflackernden Bassklarinetten- oder Tenorsaxophonton auf sonores Pizzikato und träumerische Pianonoten, teils auch auf düstere Clusterschläge oder seltsam verbogenen Innenklavierklang. In das tiefmelancholische Tête-à-tête von 'Shining' greift er erst spät ein mit der ganzen Jämmerlichkeit, die er aus einem Taepyeongso, einer koreanischen Oboe, quetschen kann. Bei '13th month' legen sich dissonante Gitarrenlaute und kantige Pianonoten gegen das Tenorsax quer. Den Katzenjammer von 'Un soir at Yeonhee II' kann ich erst allmählich als schrille Basskakophonie erkennen, bevor sie Choi mit sonoren Strichen verwischt. Die Stückchen sind innen größer als außen. Die enigmatische Verwandlung von Bewegung und Farbe in Gedanken und Gefühle gelingt Harth, als wäre das Studio kein bloßes Instrument, sondern ein Alchemistenofen. &lt;br /&gt;&lt;br&gt;&lt;br /&gt;In BA 71 by Rigobert Dittmann&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8736640020032074926-1290246981779666969?l=a23h-ba.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://a23h-ba.blogspot.com/feeds/1290246981779666969/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8736640020032074926&amp;postID=1290246981779666969' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8736640020032074926/posts/default/1290246981779666969'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8736640020032074926/posts/default/1290246981779666969'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://a23h-ba.blogspot.com/2011/09/red-canopy.html' title='RED CANOPY (Kendra Steiner Editions, KSE #200, 3&quot; CDr)'/><author><name>kurt</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8736640020032074926.post-4088570157866687430</id><published>2011-02-12T07:15:00.000-08:00</published><updated>2011-02-12T07:16:17.467-08:00</updated><title type='text'>ALFRED 23 HARTH micro-saxo-phone. edition III (Kendra Steiner Editions, KSE #175, CD-R)</title><content type='html'>Genau zwischen dem starken Eindruck, den Jeremiah Cymerman mit Klarinette &amp; Laptop live hinterließ und ‚Frankfurt - Beijing - Seoul‘, Harry Lachners NOWJazz-Porträt von A23H, erreicht mich, via San Antonio, TX, ein neues EAI-Statement aus dessen koreanischer Laubhütte. Mit Saxophonen &amp; Bassklarinette + Contact Mics + Kaoss Pad/Laptop-Wizardry + X spielt Harth seine unpuristischen Versionen von ‚bodhi &amp; seoul‘ - ohne Twist of words &amp; mind geht bei ihm nichts. Von gefühlsecht bis cybertechnoid verlängert er damit seine bereits mit Plan Eden (1987) initiierten und mit msp.eII (2008) durchlauferhitzten Demonstrationen, was Materialfortschrittlichkeit bedeuten sollte. Mit auch wieder autobiographischer Emphase unterlegt er einige der massiv verdichteten und anspielungsreich gesättigten Multitracking-Tracks mit der eigenen Tonband- oder Altosaxstimme von 1972, seinem 23. Lebensjahr. X steht für Stimme, Flöte oder Gitarre. Und für eXtended techniques. Anspielungen evozieren Rimbaud, Orwell, den MaschinenintelligenzproGnostiker Ray Kurzweil, den bewusstseinserweiternden Terrence McKenna, setzen also die Sonic-Fiction-Segel für eine trunkene, phantastische Reise in die Zukunft des Homos@piens. ‚Doublespeak‘, der extraordinärste Track, mixt hyperbabylonisch und mit veräppelndem Witz D.T. Suzukis Einhandklatschen mit der Eidechsen mausenden Katze des aufgeblasenen Fotokünstlers Nobuyoshi Araki, Opernarien mit koreanischem Gagok, Geflöte mit Madame Blavatsky beim Bauchtanz. ‚Surplussed I-IV‘ mikrowellenerhitzt Altosound in der eigenen Spucke auf immer höheren Hitzestufen. Aber Harths Tenorsax kann danach pur nicht weniger harth klingen. Dass sein Ton &amp; Timbre zu den herzhaftesten, aber auch reflektiertesten unserer Zeit gehören, ist leider etwas in Vergessenheit geraten. Allerdings versteckt er sie gern unter Noise und irritiert mit V-Effekten, etwa losem Maulwerk oder Houyhnhnm-Gesang. ‚Chukyo‘ und ‚Paleomagnetic anomalities‘ durchsetzen Bassklarinettenursonaten oder Mikrogeschmurgel und -gezülle mit klappenmechanischem Gerumpel oder ‚Orgel‘-Clustern. Jedes der 23 hoch 23 Härchen ist hier bis zur Wurzel vollgesaugt mit quecksilbriger Postmodernität und quickem, bewusstseinserheiterndem Witz. Telekom and Getz IT, es gibt nur 123 Exemplare.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In BA 69, Rigobert Dittmann&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8736640020032074926-4088570157866687430?l=a23h-ba.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://a23h-ba.blogspot.com/feeds/4088570157866687430/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8736640020032074926&amp;postID=4088570157866687430' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8736640020032074926/posts/default/4088570157866687430'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8736640020032074926/posts/default/4088570157866687430'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://a23h-ba.blogspot.com/2011/02/alfred-23-harth-micro-saxo-phone.html' title='ALFRED 23 HARTH micro-saxo-phone. edition III (Kendra Steiner Editions, KSE #175, CD-R)'/><author><name>kurt</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8736640020032074926.post-5075451253998429594</id><published>2010-05-06T04:58:00.001-07:00</published><updated>2010-06-21T23:39:12.920-07:00</updated><title type='text'>LAUBHUETTE PRODUCTION (Seoul)</title><content type='html'>Was ist das, @ blankies end (M 28)? Nun, definitiv keine Pfeife. Aber ansonsten hat ALFRED 23 HARTH so Einiges eingemischt in diese Collage, in der eine seltsame Uhr die ‚Nuller‘ Jahre zuende tickt: ‚Ten Tin‘... ‚Elf‘... ‚Gesternmorgen‘ (zuerst las ich Geistermorgen)... ‚Popul Vuh‘... ‚Twentyhundredtwelve‘... Da kommt die Trompete von Choi Sun Bae ins Spiel, alles andere, die schöne Klarinette, die aufgewühlten Samples sind Herz- und Hirnton Harth. Seine Antennen fischen in musikalischen und medialen Wassern, im halb- und sehr bewussten Trüben, Drüben. Berauscht, überrauscht, traumartig quellend, erklingt ein elektrifiziertes Memento, ein mehrstimmiger Chor melancholischer Bassklarinetten. Aber an den Fersen hecheln Hunde, an den Nerven zerren schrille, kakophone Kräfte. Der Puls ist der von ‚Organischen Konstruktionen‘, wie Ernst Jünger den 21st Century Schizoid Man schon im frühen 20. getauft hat. Windspielgeflirr und Vokalisation driften dahin wie eine sich in Raum und Zeit entfernende Hälfte. Die andere treibt Wurzeln in der Stadt, tastet mit Tentakelsensoren über Screens. Als Folklore Imaginaire? Wenn das ein Name für eine schöne Chimäre ist, warum nicht. Die Trompete mischt sich, wiederum vervielfacht, unter Tonspuren, die die lineare Zeit krümmen, manchmal sogar umkehren. Ist hinten da, wo die Laterne hängt? Hängt der Himmel voller Klarinetten und mittendrin ein Baritonsaxophon? Ist das Illbient made in Seoul? Im Kopf Sonic Fiction, doch in der Brust kreist ein altes Raunen, Gesang aus dem Buch Dzyan, wie ihn Madame Blavatsky in Würzburg im Ohr hatte? Zuletzt, wenn auch kurz, ist es Sombient, denn ‚Der Schlaf ist eine süße Melodie‘, die einen giftig und koreanisch ersticht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit @ eighties end (M 31) geht ALFRED 23 HARTH zurück ins Jahr 1989. Auszüge seiner Theatermusik zu Antigone von Sophokles/Hölderlin für eine Aufführung am Schauspielhaus Düsseldorf sind gemischt mit Lachen, Weinen, Lieben, einer TV-Musik fürs ZDF. Stilistisch kompatibel, ergibt sich ein Ganzes, das in seinem Pathos und Thrill, dem Kladderadatsch von Orchester-Samples, Noise, Dark Ambient und Instumentalmusik, vieles in den Schatten stellt, was genuine Vertreter der Sound Culture, ob im Industrial oder der Elektroakustik, anstrebten. In Soundwolken, dunkel und largo, stoßen eine Bassklarinette, eine Orgel, schneiden Klarinettenmelodien. ‚Antigone.Nacht‘ ist ein finsteres Prachtstück, zuerst ein Säbeltanz auf dem Vulkan, dann nur ein Gedröhn, schließlich die anhaltende Erruption. ‚LWL III‘ lässt Flöten und grollende Kontrabassklarinetten in Zeitlupe sich umtanzen wie Fische einen großen Wal. Groß wie Behemoth ist auch der Gesang, den Harth auf seinen Klarinetten anstimmt. Bei ‚Antigone.Ölfässer‘ rumoren perkussives Gedonner, Gepolter, Shakergerassel und verzerrte Stimmen, die vom Menschlichen ins Tierische und Schaurige changieren, umeinander. Für ‚LWL IV‘ wirken Zweifingerkeyboards, Aaa- &amp;amp; Ooo-Vokalisation und wieder die schneidende, zartbittere Klarinette zusammen, die klingt, als müsste sie eine offene Wunde vereisen. Auf ‚11+12‘, einem kurzen Clash aus Noise und holzigen Schlägen, folgt zuletzt ‚LWL V‘, langsam und düster. Über dürftige Drummachinebeats stoßen Orgelfanfaren und wuchtig rummsende und rumorende Einschläge ineinander und brechen den Stab über ein zwischen Tragödie (Tschernobyl, Tian’anmen) und Farce (Reaganomics, Thatcherismus, Mauerfall) taumelndes Jahrzehnt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rigobert Dittmann, BAD ALCHEMY 66&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8736640020032074926-5075451253998429594?l=a23h-ba.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://a23h-ba.blogspot.com/feeds/5075451253998429594/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8736640020032074926&amp;postID=5075451253998429594' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8736640020032074926/posts/default/5075451253998429594'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8736640020032074926/posts/default/5075451253998429594'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://a23h-ba.blogspot.com/2010/05/laubhuette-production-seoul.html' title='LAUBHUETTE PRODUCTION (Seoul)'/><author><name>kurt</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8736640020032074926.post-4000460213645381624</id><published>2009-06-27T05:47:00.000-07:00</published><updated>2009-06-27T05:53:11.419-07:00</updated><title type='text'>Summer, a time (Laubhuette Production LPM22)</title><content type='html'>&lt;a href="http://laubhuettestudio.blogspot.com/2009/05/summer-time.html"&gt;Summer, a time&lt;/a&gt; (LP M22, CD-R)‚ recorded at Voice Of Asia Festival, Jeonju, Southkorea, 2004‘, zeigt das Miteinander und die Reibungsflächen west-östlicher Stegreifmusik in drei Konstellationen. Den Auftakt machen Mukai Chie (Kogun) &amp; Kang Eun-Il (Haegum = kr. Fiedel) in der Begegnung mit den alten Uludag-Kämpen Helmut Bieler-Wendt (Piano) &amp; Peter Hollinger (Drums), mit Alfred 23 Harth am Altosax als Go-Between. In einer längeren ‚Suite‘ zeigt er sich dann als Lyriker und als Joker in einem fernöstlichen Kreis mit Park Chang Soo (Piano), Choi Sun Bae (electric trumpet) &amp; Xu Fengxia (Guzheng &amp; Gesang), mit Xu als Prima Donna inter pares, was das Temperament angeht. Da fliegen die gehämmerten, geharkten, gekirrten Töne einem entgegen wie Kamikaze-Ufos, völlig außer Rand und Band. Gershwins ‚Summertime‘ klingt danach - von Choi durchfaucht und durchfurzelt, als hätte er Kondo &amp; Evans als einen Bissen verschluckt - wie vom Hitzschlag getroffen und ziemlich... koreanisch? Den ‚Epilogue‘ bestreiten Choi, Kang, Xu, Bieler-Wendt mit Mike Turnbull an Percussion, gefolgt von einem kurzen, kontrastreichen Choi-Solo. Die Stimme Asiens? Mir klingeln die Ohren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In BA 63, Rigobert Dittmann&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8736640020032074926-4000460213645381624?l=a23h-ba.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://a23h-ba.blogspot.com/feeds/4000460213645381624/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8736640020032074926&amp;postID=4000460213645381624' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8736640020032074926/posts/default/4000460213645381624'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8736640020032074926/posts/default/4000460213645381624'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://a23h-ba.blogspot.com/2009/06/summer-time-laubhuette-production-lp_27.html' title='Summer, a time (Laubhuette Production LPM22)'/><author><name>kurt</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8736640020032074926.post-2277687209902514072</id><published>2009-06-27T05:44:00.000-07:00</published><updated>2009-06-27T05:55:53.875-07:00</updated><title type='text'>Raub / Yaktal  (Laubhuette Production LPM23)</title><content type='html'>Ein weiteres Festival-Highlight hält &lt;a href="http://laubhuettestudio.blogspot.com/2009/05/raub-yaktal_27.html"&gt;Raub / Yaktal&lt;/a&gt; (LP M23, CD-R) fest, das Quartett von Alfred 23 Harth (DJing, synth, reeds, voice, misc., Dochirak con arco) mit Choi Sun Bae (electric trumpet, mouthharp), Helmut Bieler-Wendt (violin, piano) &amp; Kojima Takashi (laptop). Die Musik hallt - wie auch T_error &amp; kr ./. jp (2005) - wider von Harths Empörung über den brutalen Raubbau Japans an Korea. Anders als die Improvisationen auf Summer, a time ist sie ein wildes Klangchiaroscuro aus gestopft schmauchender Trompete, geschabten Geigenstrichen, insbesondere aber aus Harths Turntable-Samples &amp; - Loops und den Laptopgranulationen. Wasser umbrodelt einen schleifenden Loop, Geflüster ist perkussiv umklappert, die Trompete schwebt über einem Groove-Drehwurm. Ich beginne zu begreifen, was Harth an Taste Tribes fasziniert. Ferner Operngesang, Getrommel, Geigengeraspel, raues Schnauben, Krimskrams, Scherbengeklirr. Jetzt wieder Electrobeatz, ein knurschiger Groove, dunkles Gebläse dazu, prasselnde Vinylknackser als Knochenmühle, die Trompete ganz verweht, ein Saxophon, gepresst und zerhackt. Dann plötzlich peitschende Beats, zerschrillte Trompete, Alarmimpulse, Scratches, Geigengewimmer, Aufstand! Das ist Improlectro, der als Mindfuck seinesgleichen sucht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In BA 63, Rigobert Dittmann&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8736640020032074926-2277687209902514072?l=a23h-ba.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://a23h-ba.blogspot.com/feeds/2277687209902514072/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8736640020032074926&amp;postID=2277687209902514072' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8736640020032074926/posts/default/2277687209902514072'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8736640020032074926/posts/default/2277687209902514072'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://a23h-ba.blogspot.com/2009/06/summer-time-laubhuette-production-lp.html' title='Raub / Yaktal  (Laubhuette Production LPM23)'/><author><name>kurt</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8736640020032074926.post-4592679453042578777</id><published>2009-06-27T05:40:00.000-07:00</published><updated>2009-06-27T05:56:34.784-07:00</updated><title type='text'>LAUB (Laubhuette  Production LPM16)</title><content type='html'>Mit &lt;a href="http://laubhuettestudio.blogspot.com/2009/05/laub.html"&gt;LAUB&lt;/a&gt; (LP M16, CD-R) setzt ALFRED 23 HARTH seine elektroakustischen, radiophonen Collagen über das Audiotop Korea fort. Ich nenne das einfach mal ‚Verdichtungen‘, Zwitter aus Poesie und Schichtung, Pressung. Tatsächlich ist ein Liebesgedicht eingemischt in das Roaratorio aus Straßenlärm, Gesängen, Gekläff einer Hundefarm. Melancholisches Gezupfe, das sich gegen den Zeitlauf sträubt, und ein schwindelerregend hoher Strington illustrieren einen Zustand der ‚Nonunhappiness‘, das ich mir als wunschloses Unglück besser vorstellen kann denn als stoisches Gleichgewicht. Jazzsaxophon mischt sich mit Bahnhofsatmosphäre, ein Basslauf wird überrauscht, überquäkt, und aus einem ‚Domestic Stories Remix‘ sticht die Stimme von Dagmar Krause heraus. Die hohen Strings mischen sich mit brodeligem Gewummer oder krümpeliger Klarinette, Spielautomatengeballer und ein schleifender Loop mit Yun Isangs ‚Piri‘-Klarinette, Wind, Stimmengewirr, elektronischem Gejaule, geisterhaft fernem Gesang, Kampfgeschrei aus einem Eastern. Nichts ist exklusiv in diesem urban-medialen Mix, der in einem Dreamscape ausläuft, den, inmitten aller Unklarheit mit ihrem unruhigen Eigenleben, Klarinettentristesse umflort, wie mit schwarzen Lippen geblasen. Harth hat weit offene Tagtraumaugen und Ohren für absurde und ästhetizistische Züge des Trivialen. Der Alltag selbst ist ein Wildstyle-DJ. LAUB macht das nur deutlich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In BA 63, Rigobert Dittmann&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8736640020032074926-4592679453042578777?l=a23h-ba.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://a23h-ba.blogspot.com/feeds/4592679453042578777/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8736640020032074926&amp;postID=4592679453042578777' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8736640020032074926/posts/default/4592679453042578777'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8736640020032074926/posts/default/4592679453042578777'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://a23h-ba.blogspot.com/2009/06/laub-laubhuette-lp-m16.html' title='LAUB (Laubhuette  Production LPM16)'/><author><name>kurt</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8736640020032074926.post-7324450861688639767</id><published>2009-04-22T20:19:00.000-07:00</published><updated>2009-08-10T00:21:36.576-07:00</updated><title type='text'>ALFRED HARTHs LAUBHUETTE PRODUCTIONS (Seoul)</title><content type='html'>In BA 60 wurden schon einige der Aktivitäten von A23H, dem einstigen Cassiber-, Gestalt Et Jive- und Vladimir Estragon-Allrounder, in Erinnerung gerufen - vom Trio Trabant und dem Quasarquartet über Imperial Hoot bis zum Trio Viriditas, zu 7k Oaks, Otomo Yoshihides Invisible Songs und seinen Post-9/11-Aktivitäten im eigenen LaubhuetteStudio in der neuen Heimat Seoul. Dort hat er nun zwei weitere Kapitel seines unendlichen Lebenswerkes aufgeschlagen, nämlich Retrospektiven auf JUST MUSIC und auf E.M.T. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;JUST MUSIC wurde 1967 von Harth, damals gerade mal ein fürwitziger Teenager, am Centrum Freier Cunst in Frankfurt/M. initiiert, als Forum und Motor kollektiver und synästhetischer Verwirbelungen avancierter Klänge, Imaginationen und Text-Viren. Zeitgeist pur. Erstaunlich vieles davon ist archiviert und wird von Harth nun in die Frankfurter Gedächtnislücken der Wuppertal/Berlin-fixierten Jazzgeschichtsschreibung reimplantiert. Just Music ensembles (LP M11) päsentiert Aufnahmen von 1968-70 aus Ffm, Stuttgart und Prag, Just Music trios (LP M18) Improvisationen im Frankfurter Fuchshohl Studio vom März 1970 (ohne Harth). Just Music groups &amp; duos (LP M19) enthält neben einem Ausschnitt der HR-Sendung ‚Junge Talente Stellen Sich Vor‘ von 1968 (mit einem 18-jährigen Schüler AH, der brav Fragen des Radioonkels beantwortet) eine Reihe von 1971er Abenteuern, die im Zusammenspiel mit Nicole Van den Plas schon den Übergang zu E.M.T. bedeuten. Dazu gleich. Als Just Music-Aktivisten hört man den starken Thomas Cremer am Schlagzeug (bis heute ein Veteran der Jazzszene in Mainhattan), Dieter Herrmann an der Posaune, Johannes Krämer an der Gitarre (später oft bei Annemarie Roelofs zu hören und heute mit All Clear), Peter Stock am Kontrabass, Thomas Stöwsand (bald rechte Hand von Manfred Eicher bei ECM) und Franz Volhard an Cellos und andere, allesamt wild entschlossene Grenzgänger zwischen Neuer Musik (mit Konzepten, graphischen Partituren und Streichern als Gegengewicht zum Gebläse) und Freier Improvisation, angeregt von Fluxus und der politischen Aufbruchstimmung jener Jahre. Die Klangbilder zeigen Just Music auf parallelem Kurs zu etwa SME, den AACM-Experimenten in Chicago, dem Revolutionary Ensemble in New York. Das Cremer-Volhard-Trio mit dem späteren Musica Nova-Macher Michael Sell an der Trompete klingt wie von heute, das KSV-Stringtrio mit Stock sowieso zeitlos als Musique concrète instrumentale à la Lachenmann. Dass ausgerechnet Just Music 1969 die zweite ECM-LP überhaupt lieferte (nachdem sie ihr Debut Just Music noch in 300er Auflage in Eigenregie verlegt hatten), ist immer noch ein Lächeln wert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1969 verguckte sich Harth auf einem Spanientrip mit Just Music in San Sebastian in die belgische Pianistin NICOLE VAN DEN PLAS, mit der er einige Jahre Kunst und Leben zur Deckung brachte. Sie lockte ihn 1971 in ein Bauernhaus bei Antwerpen, bevor sie 1973 ein Studium am Städel in Frankfurt begann (heute ist sie als Künstlerin renommiert) und er Zivildienst in der Kinderpsychiatrie der Uniklinik Ffm leistete. Alfred Harth / Nicole Van den Plas 19701971 (LP M15) dokumentiert ihr Zusammenspiel, teils noch mit Just Music-Freunden (wie auch auf 4. Januar 1970, einer 1970 wiederum im Selbstverlag publizierten LP), teils mit Bassgegeige von Nicoles Bruder Jean, aber - wie schon Paul Lovens auf M19 - auch Peter Kowald mischte da mit und selbst Peter Brötzmann half Windbeutel aufzublasen. Harth erweiterte sein Klangspektrum aus Tenorsax &amp; Bassklarinette mit Xylophon, Geige, Zither, Harmonika, Tonband etc. Van den Plas fasziniert durch gewagte Vokalisation bis hin zu lustvollem Maunzen und vogelfreiem Gilfen, das sie zu ihren wild verstreuten Noten ausstößt, ganz Ausreißerin, ganz Schamanin, ganz Ablehnung der Elisen-Rolle, die das bürgerliche Programm für sie vorsah. Cremer oder Lovens pochten dazu wie ein adrenalingepushtes Raptorenherz und Harth eroberte den Luftraums mit der Überzeugung ‚Ich bin ein Elefant, Madam, und kann fliegen‘, aber er konnte auch so (mo)zart tun, wie ‚Mann‘ es nur in der Schule der Frauen lernt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1972 formierte er mit Van den Plas und dem Trommler Sven-Åke Johansson E.M.T., was je nachdem Energy / Movement / Totale, Ekstase / Mystik / Transzendenz oder Extreme Musik Truppe heißen konnte und entsprechend klang. Van den Plas spielte jetzt auch noch Orgel, Harth nuancierte sein Spiel mit elektrifizierter Zither, Kontaktmikrophonen, Percussion, Mundharmonika, Flöten &amp; Tröten, während Johansson, der aus Hamburg Kassettenbriefe mit neuen Spielideen schickte, mit ‚dynamischen Schwingungen‘ durch ‚Slingerland‘ eierte, Schaumgummi einsetzte und die Cymbals begeigte. E.M.T. vol.1 Haus Dornbusch / Heidnische Klänge / Heilbronn &amp; vol.2 Hamburg Fabrik (LP M12 a + b) zeigt das Trio, das bisher nur auf Canadian Cup of Coffee (SAJ/FMP, 1974) dokumentiert war,  live 1973, einmal mit Jean Van den Plas an Cello &amp; Bass und einem Gastpiel von Michael Sell, in Hamburg dann mit Helmuth Neumann an Trompete &amp; Schalmei und gelegentlich Liliane Vertessen an der Posaune. Ran an die Leute, hieß die Devise, und entsprechend theatralisch, happening- und zirkushaft wurde agiert, die Van den Plas-Geschwister orgelten und sägten, Johanssen deklamierte Stegreifnonsense, fiepte mit dem Akkordeon oder verfiel in ein Trommelrollen, zu dem Harth in den höchsten Tönen rotierte. E.M.T. spielte bewusst auch mit der europäischen Tradition und keiner soll mir erzählen, dass die Melodien und sentimentalen Déjà-vus nur durch den Kakao gezogen wurden. Eher wurden sie gemolken, aber auch aufgemischt mit Gerumpel und Getröte und so zweckentfremdet und den Spießern entrissen. Quasi waren das Akte eines notwendigen Vandalismus und der Enteignung der Enteigner. Implantiert wurde im Gegenzug energetische und spielerische Intensität, eine frei- und feuermusikalische Verve im chiastischen Widerspruch zu Wounded Knee und Watergate, Allendes Tod und dem Polytechnionmassaker in Athen, auch wenn sich das Trotzdem als ‚Protest gegen den Herbst‘ tragikomisch gab. Vieles, was Greil Marcus in Lipstick Traces an Punk expliziert, galt längst schon im Jahrzehnt vor Johnny Rotten &amp; Co. Nur fehlte der rock-, rotz-, songpopuläre, quasi proletarische Impetus (dem Harth dann sich 1979 annäherte mit seiner Punkjazzgruppe mit Nicole Van den Plas und Christoph Anders, Keimzelle für Cassiber). In E.M.T. keimten dagegen hoch- und subkulturelle Pflänzchen mit bewusstseinsverändernder Potenz, Verwandtes zur Schwarzwurzelzucht und den Hustern für Karl Valentin auf FMP, Vorstufen von Goebbels/Harth-Material. Johansson verkörpert ja den Link zu Brötzmann und steht mit E.M.T. sicher nicht im plakativen Gegensatz zu dessen Spielweise oder der des Schlippenbach Trios. Aber der Ansatz mit Harth und Van den Plas war gezielt vielfältiger, er hatte mehr Haken, mehr eingebaute Selbstwidersprüche, mehr Mut zu Melodie sowieso und dazu noch Humor. A23H war, man muss sich da nur sein Gebläse auf ‚Dynamische Schwingungen‘ anhören, mit 24 schon der totale Mindfucker. Ich machte 1973 Abitur, hörte ‚Killing Me Softly‘ und ‚Midnight at the Oasis‘, ‚Smoke on the Water‘ und den ‚Soul Mokassa‘ (Club 16 sei Dank). Harth hörte ich zuerst 1984, schon nicht mehr glücklich mit Cassiber, danach dann mit Gestalt Et Jive. Von E.M.T. keine Ahnung, keine Spur. Aber es ist nie zu spät, um blinde Flecken aufzupolieren, schließlich zehrt die Gegenwart von ihren Tiefenschichten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In BA 62, Rigobert Dittmann&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8736640020032074926-7324450861688639767?l=a23h-ba.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://a23h-ba.blogspot.com/feeds/7324450861688639767/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8736640020032074926&amp;postID=7324450861688639767' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8736640020032074926/posts/default/7324450861688639767'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8736640020032074926/posts/default/7324450861688639767'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://a23h-ba.blogspot.com/2009/04/alfred-harths-laubhuette-productions.html' title='&lt;a href=&quot;http://laubhuettestudio.blogspot.com/&quot;&gt;ALFRED HARTHs LAUBHUETTE PRODUCTIONS (Seoul)&lt;/a&gt;'/><author><name>kurt</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8736640020032074926.post-5328776103245444141</id><published>2008-11-08T01:58:00.000-08:00</published><updated>2008-11-11T01:42:18.868-08:00</updated><title type='text'>A23H - Anything Goes – Jazz ist eigentlich ein querstehendes Gefühl</title><content type='html'>Andere denken bei der Zahl 23 an Burroughs‘ 23 Skidoo, die Illuminatus-Reihe von Wilson &amp; Shea oder den Hacker Karl Koch. Wir denken dabei an den Saxophonisten,(Bass)-Klarinettisten, Allroundkünstler, Projektemacher und Mindfucker&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;&lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Alfred_Harth"&gt;&lt;span style="font-weight:bold;"&gt;ALFRED 23 HARTH &lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;und noch im selben Atemzug an das &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Duo_Goebbels/Harth"&gt;Duo Goebbels/Harth&lt;/a&gt; (1975-88) und &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Cassiber"&gt;Cassiber&lt;/a&gt; (w/ Christoph Anders, Chris Cutler, Heiner Goebbels, 1982-84), vielleicht auch noch &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Gestalt_et_Jive"&gt;Gestalt et Jive&lt;/a&gt; (w/ Steve Beresford, Peter Hollinger, Ferdinand Richard u. a., 1984-88), Lindsay Cooper‘s Oh Moscow (1987-93) und &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Vladimir_Estragon"&gt;Vladimir Estragon&lt;/a&gt; (w/ FM Einheit, Ulrike Haage, Phil Minton, 1988-89). Und haben dabei einen Typen in Erinnerung in blauer  Designerbrille, der insgeheim als empfindlich und ‚schwierig‘ galt, definitiv one of the "complicated" types*, alles andere als unbewandert in den ‚Principia Discordia‘.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dass A23H über einen einzigartigen Ton auf Tenorsax und Bassklarinette verfügt,verstellt durch den Instrumentalisten leicht den ganzen Harth, den kreativen Tausendsassa mit einer angeborenen Vorliebe für Ausgefallene &amp; Ausgefallenes°,den elektroakustischen und audiovisuellen Jongleur mit Max Bense, Zen und Fluxus, den polystilistischen, mit Duchamp-Pisse getauften, Schwitters-verzwitterten Kunstmacher und Foto-Grafen, den Gedichtmetz und Blogspötter, der sich (mit kritischem Abstand) zum alten Europa bekennt, zu Charly Parker und C.G. Jung als persönlichen Mindblowern, zu einem Faible für Fabeln, Fiktionen und Korrespondenzen, mit dem man über Winnetou ebenso parlieren könnte wie über Gurdjieff, der in Bekanntem von Doris Lessing (Bemerkungen über den Planeten Shikasta, 1987) oder Brodskij ebenso belesen ist wie in weniger Bekanntem von Paul Scheerbart oder seinem doppelgesichtigen Namensvetter Camillo Harth / Peter Duhr. Aber wie eloquent A23H auch mit Klängen, Bildern, Worten spielt, sie bilden, kombiniert und rekombiniert, letztlich nur den einen ‚Text‘, der das weiße Blatt des eigenen Selbst mit wachsender Selbsterkenntnis beseelt. Das Schöne daran ist, dass A23H diesen ‚Text‘ als Offenen Brief verfasst. &lt;br /&gt;BA hatte A23H so um 1989/90 rum aus den Augen verloren und als dann die enge Verbindung zu ‚Recommended‘ insgesamt abriss, entging mir (damals) sogar so Einschlägiges wie die feministischen Domestic Stories (ReR, 1992), Lutz Glandiens drachenschuppig schillernde Vertonungen von Chris Cutler‘scher Babel / Bibel-Mythopoesie. Dagmar Krauses Gesang, Cutlers schepperndes Drumming,Fred Frith an Bass &amp; Gitarre und eben Gebläse von A23H bilden die Quersumme aus Art Bears, News From Babel und Cassiber. Cutler raunt von 7 Teufeln, 7 Schleiern, 7 Toren, von Lilith, Salome und Magdalena, zeigt, dass die Schlange im Paradies und die, die um Äskulaps Stab sich schlingt, Schwestern sind, gibt Freiheit den Vorzug vor Eden. Schon dadurch ein unverzichtbarer Lichtblick im Primatenfeld, macht Harths Ton, seine eindringlichen Statements bei ‚Unquiet Days in Eden‘, ‚Pharmikon‘ oder ‚Red, Black, Gold‘, diesen Songzyklus zu einer Herzensangelegenheit, zu purer Bad Alchemy. Dieses quintessentielle Konzeptalbum ist eine Perle in der RIO-Krone und in Harths Diskographie. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Zeitgeist jener Jahre ließ BA die Fühler Richtung Soviet-Avantgarde und CSSR-Underground ausstrecken, während A23H mit dem TRIO TRABANT A ROMA 1991 in Esslingen State of Volgograd (FMP, 1994) einspielte und zusammen mit dem Ex-Moskauer Pianisten Simon Nabatov, dem polnischen Bassisten Vitold Rek und dem GTC-Trommler Vladimir Tarasov aus Vilnius das QUASARQUARTET bildete, von dem der Live-Mit-schnitt POPendingEYE (free flow music, 1992) aus der Alten Oper in Frankfurt zeugt. Damals lief einiges asynchron, so manches Traumschiff auf Sand. Avantgarde &amp; Untergrund hinter dem Vorhang waren so schnell verdunstet, dass erst gar nicht die Notwendigkeit einer neuen Retrogarde bewusstseinsfähig wurde. Oh Moscow seufzte man nun aus anderen Gründen, die Mottos hießen ‚Osterweiterung‘ und ‚Umzug nach Europa‘. &lt;br /&gt;Das Trio vereinte Harth, der 1970 mit Just Music auf dem Jazzfestival Prerov noch Lenins 100sten mitgefeiert hatte, mit Lindsay Cooper, Veteranin des Sturms auf den Winterpalast, &amp; Phil Minton, seinem Reisegefährten zum Planeten Shikasta, Mitverkuppler von Aleister And Alice (1987) und mit Vladimir &amp; Estragon gewürzter Trauergast auf Finnegans Beerdigung, oder war‘s Godot, der von uns gegangen war? Die frühen 90er kamen mit dem Begraben nicht nach, taumelnd zwischen ‚1st2nd3rd&amp;4th‘ Welten, auf der Suche nach verlässlichen Magnetpolen auf der zerzausten Windrose. Exit Moskau, enter Mekka? Die drei Trabanten tourten zwischen Stalingrad und Wolkenkuckucksheim, machten Schluss mit poppiger Augenwischerei und empfahlen Spinat. Cooper mit Fagott &amp; Sopranino, Harth mit einem Vollspektrum an Gebläse, Minton als Minton, alle abwechselnd mit Piano, dazu Keyboards und elektronische Effekte, so probierten sie zwischen Beauty &amp; Biest und Non &amp; Sense bab(b)ellogische Sprechweisen, mit Cooper-Harth als pfingstlichem und Minton als calibanischem, polymorph-perversem Element, das erst recht verblüfft, wenn es lauthals There will be other songs to sing anstimmt (‚beyond cut‘ aka ‚There Will Never Be Another You‘). Das Quartett andererseits - und ganz anders - wechselte zwischen Coltrane‘esker Hymnik und fast nur geträumten Melodiefetzen, plinkendem Glockenklang, perlenden Läufen oder futuristisch gehämmertem Pianorattazäng. Nabatov ist mehr noch als Ganelin mit europäischen Wassern gewaschen, während Tarasov feingliedrig changiert zwischen seiner snare-rasselnden, silbrig pingenden und tockenden ‚Atto‘-Folklore und Hot-Cat-Swing. Harths vollmundiger Gesang und Feueratem jagt einen immer wieder aus melancholischem Brüten und spleenigen Launen auf ins Licht, lässt einen im übernächsten Atemzug mit heiterem Zungenschlag ins Schlaraffenland tänzeln, um doch recht besonnen und lakonisch zu enden.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jahrzehntelang war Frankfurt das kreative Zentrum des 1949 (1+9+4+9 = 23!) in Kronberg im Taunus geborenen Sprosses einer Kaufmannsfamilie, die aus Rothenfels im Spessart stammt. Zu seinen multiplen Aktivitäten dort hatten bereits Mitte der 60er das Centrum Freier Cunst gezählt, das Ensemble &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Just_Music_(band)"&gt;Just Music&lt;/a&gt; (1967-70), mit dem er 1969 auf ECM debutierte,oder die Punkjazzgroup (1979, w/ C. Anders, Nicole van den Plas u. a.) als Cassiber-Vorläufer. Dazwischen war sein Aktionsradius schon europäisch geworden mit &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/E.M.T."&gt;EMT&lt;/a&gt; (1971-74, w/ N. van den Plas &amp; Sven-Ake Johansson) und der Gunter Hampel Galaxy Dreamband (1973-74). &lt;br /&gt;Später organisierte er in Ffm dann die Avantgardegalerie waschSalon (1984-91), das Kunstkonzept ‚Gedankenhotel‘ (1993-95) und nicht zuletzt lancierte er 1993 den Avantgardezirkel FIM (Frankfurts Indeterminables Musiqwesen) mit dem eigenen Recout-Label als Forum. Neben Seti im Club (w/ Peter Fey, 1991), dem Stern4et (1994) oder Tattoo (2000/01) ging mit IMPERIAL HOOT (1998-2000, vorher Imperial Hot, 1996-97) daraus ein Projekt hervor, das im Verbund mit dem Drummer Günter Bozem, Christoph Korn an Gitarre &amp; Bass und Marcel Daemgen am Soundsystem Harths Faszination durch Liveelektronik beförderte, nachdem die Mixadelic-LP Pollock (1996) und die programmatische Cut-up-LP Anything goes (1986) bereits sein Interesse an postmoderner Metaauthentizität, Sampling und Eigenblutdoping gezeigt hatten. Secrets of Development (Blue Noises, 1999) steht beispielhaft für ein unpuristisches Collagieren, den Einsatz von Samples und automatisierter Rhythmik, alles Elemente, die dann durch etwa Thirsty Ears Blue Series zum Maß avancierter ‚Jazz‘-Dinge wurden. Aber allein mit seinem ungeheuerlichen Bassklarinettenspiel auf ‚You cannot break even‘ macht Harth Rudi Mahall den Dolphy-Award streitig, wobei Korns erratische Gitarreneinsprengsel für zusätzlichen Lustgewinn sorgen. Ein Monstertrack, der, wie sehr auch elektronisch angekurbelt und mit Stimmsamples gespickt, zuletzt dem Tenorsax abverlangt, noch einen besonders schönen Punkt aufs i zu setzen, ein Genuss, den ‚Loon‘ fast noch etwas krasser sogar noch topt. Daemgen &amp; Korn griffen übrigens (w/ O. Augst) als ARBEIT, Daemgen &amp; Augst zudem mit TEXTxtnd &amp; EMT (sic!), die ‚Arbeit am Lied‘ im Geist einer ‚Frankfurter Schule‘ und Goebbels-Harth‘scher Lehrpläne wieder auf mit dem von Harth persönlich angereicherten Projekt Brecht-Eisler (1999) und den Arbeiter- &amp; Volksliedneubearbeitungen MARX (2004) und JUGEND (2007). &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Letztlich hat A23H aber sein Glück nicht gefunden am Main. Grund genug, zwischendurch nach Paris zu wechseln. Sweet Paris (1990) übersät die Seinemetropole mit Harth‘schen Fingerabdrücken. Zeilen, die der Karlsruher Maler Wolf Pehlke aus Paris geschrieben hat, gelesen von Schauspielern und Passanten, sind gebettet auf orchestrale Samples, O-Ton Paris und Drummachinebeats und durchmischt mit Musik von Wolfgang Seidels Populäre Mechanik (1983), La Guardia (1987, w/ Lars Rudolph, Stephan Wittwer &amp; Witn Wito), Gestalt et Jive (1984), Projekten mit van den Plas (1972 &amp; 79) und sogar einem ‚Melancholy Blues‘ von 1965. Mit ‚Oberkampf‘ &amp; ‚Stalingrad‘ logiert A23H im Hotel Majestic, aber Paris zeigt sich spröde und Melancholie und Rückzug waren angesagt. Mit ‚Sweet &amp; Bitter Little Death‘ verabschiedete er sich mit einem seiner dunkelsten Bassklarinettensoli. &lt;br /&gt;Harth selbst hat sich einen eigenen Reim gemacht. Seit 1985 (1+9+8+5 = 23) synchronisiert er Dekaden mit dem "I Ging": 1985-1994 = 23. Hexagram (Die Zersplitterung); 1995-20+04 = 24. Hexagram (Die Wendezeit); 20+05-20+1+4 = 25. Hexagram (Unschuld).* &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zeit, das Glück in New York zu (ver)suchen, mit dem Trio Feather than God &amp; Golden Circle (1995) und 2000 erneut mit dem mit ‚Grünkraft‘ gespannten TRIO VIRIDITAS oder starken Performances wie Expedition - Live at the Knitting Factory 2001 (w/ Chris Dahlgren, Jay Rosen, Hans Tammen, ESP). Live at Vision Festival VI (Clean Feed, 2008) zeigt A23H am 2.6.2001 noch einmal im empathischen Verbund mit Kevin Norton an Drums &amp; Vibes und Wilber Morris am Kontrabass. Titel wie ‚Wind at the ear says June‘, ‚And loudspeakers loyal to the sea's deep bass say June‘ &amp; ‚A wind reads ruts saluting the blue silk beyond pain‘ fangen als Galaxy Dreams (Slight Return) sehr schön die Poesie einer Musik ein, die man süßer und wilder nicht spielen kann und in die sich doch auch schon wieder eine zartbittere ‚Melancholy‘ eingeschlichen hat, die auch in Harths intensiver Version von Horace Silvers ‚Peace‘ noch nachzittert. Der emotionale Reichtum des Trios ist unüberbietbar und ganz seelenverwandt mit Trio-X. &lt;br /&gt;9/11 und der Tod von Wilber Morris 2002 brachten jedoch die obligatorischen Brüche in die Harthschen Kontinuitäten. Dass es bei ihm letzeres nicht ohne ersteres gibt, stellte auch Christoph Wagner ins Zentrum seines A23H-Porträts (Neue Zeitschrift für Musik 6/2007).&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Dann eben, in aller Unschuld, Rom. 7K OAKS vereint, am Gegenpol der Ratzingerei, Harth der übrigens 1986 beim Abschlussgottesdienst des Kirchentags im Frankfurter Waldstadion vor etwa 150.000 Seelen Solosaxofon gespielt und überhaupt ein großes Ohr für die ‚Vox Dei‘ hat - mit Massimo Pupillo, ansonsten Bassgitarrist von Zu &amp; Original Silence, dem Drummer Fabrizio Spera (Ossatura, Blast) &amp; Luca Venitucci (Zeitkratzer, Ossatura) an Piano &amp; Akkordeon, um auf 7000 Oaks (die Schachtel, 2007) mit einer (Gegen)-‚Strategie der Spannung‘ am ‚unsichtbaren Turm‘ zu arbeiten, von dem aus die Freie Improvisation den bestirnten Himmel über uns nach Konstellationen der Freiheit absucht. Die Vier schüren mit free-jazzigen Reibungen, tayloreskem Piano, No-Wave-ruppigem Bassgespotze und Harthschem Flammengezüngel ein Lauffeuer. Harth setzt hier selbst auch Electronics ein und kühlt die Imagination nach all der Hitze auch ganz still und leise mit Fett und Filz unter dem Blätterdach einer Beuysschen Eiche, während die andern unter der Grasnarbe rascheln. Diesem Schüren von Spannung durch Reduktion folgen wieder die herrlichen Eruptionen und aufschießenden Hitzestrahlen von ‚Pi Too‘, mit A23H als furiosem Feuerspucker. Für das abschließende ‘The Invisible Tower‘ greift Venitucci noch einmal zum Akkordeon, während,angetrieben von Bassgegrummel, A23H sirenenhafte Glissandos bläst, aufschrillt und aus einem Sinuswellental heraus klarinettenspitz das Ziel anpeilt. ‚Pi Too‘ meint die Loge Propaganda Due, P2, jene Hintertreppenschurken aus höchsten Kreisen, die mit Segen der CIA mit der ‚strategia della tensione‘ den Bürgerkrieg herausbeschworen, Aldo Moro opferten (‚um den Bürgerkrieg zu vermeiden‘) und dabei die Roten Brigaden gleich mit erledigten. Kurz - die Riesen, auf denen Berlusconi reitet.          &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A23H sagt von sich, dass er sich eigentlich nicht als Solospieler geeignet fühlt. Er zieht Gesellschaft vor, mit allem, was sich daraus ergibt. Wenn er in einem orchestralem Kontext auftauchte, bei Oh Moscow etwa, waren das keine der üblichen Sidemangeschichten (das scheint am wenigsten sein Ding), sondern offenbar der Reiz eines Kollektiv-Klangs, den Harth ja schon im Sogenannten Linksradikalen Blasorchester (1976- 81) kostete. What I really enjoy in music is the simultaneous creative process of several persons.* &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ab 2004 tauchte er in ONJO auf (Otomo Yoshihide‘s New Jazz Orchestra &amp; Out to Lunch, 2005, Live Vol. 1: Series Circuit &amp; Vol. 2: Parallel Circuit, 2007), nach meinem Dafürhalten eines der spannendsten Projekte unserer Zeit. Harths Japan-Connection basiert auf Yoshihides Revolutionary Pekinese Opera mit Ground Zero (1995), die direkt Bezug genommen hatte auf das Goebbels/Harth-Projekt Frankfurt / Peking (1984),und wurde durch Yoshihides Cassiber-Remix 1997 (Live in Tokyo) ausgebaut. Dass Harth seinen Spaß hat an der ungenierten Manier, in der Yoshihide seiner Liebe zu Coleman, Dolphy, Haden, Mingus und immer wieder Jim O‘Rourkes grandiosem ‚Eureka‘ frönt, ist unüberhörbar. Und er war auch der richtige Mann für Sora (East Works Entertainment, 2007), konnte er doch für OTOMO YOSHIHIDE INVISIBLE SONGS einmal mehr das geliebte ‚Über den Selbstmord‘ von Eisler anstimmen. Sein herzzerreißendes Tenorsolo ist der emotionale Höhepunkt inmitten einer bizarren Mixtur, die eingerahmt wird von Leonid Soybelman und Jim O‘Rourke, die beide von „America, Land of Freedom“ singen, während Yoshihide dazu ein Banjo mehr rupft als zupft und Hubschraubergeräusche nichts Gutes verkünden. Dazwischen wird auch noch eine Overkillversion von ‚Comme à la Radio‘ (Areski &amp; Fontaine) aufgelesen für eine nur als ‚sehr japanisch‘ zu bezeichnende ‚Sentimental Journey‘ ins Zentrum des musikalischen Universums. Yoshihide selbst lässt mit Gitarre &amp; Turntables die Fetzen fliegen und dazwischen ertönt Sprechgesang der frankophilen ‚Shibuya-Kei-Prinzessin‘ Kahimi Karie, relativ straighter Popgesang von Seiichi Yamamoto und Kamikazegeschrei von Shinobu Kawai in Songs, auf die eine Alienmutter stolz wäre. Tatsuo Kondo (Lovejoy, Mihashi Mikako &amp; Sohonzan) an Keyboards, Mitsuru Nasuno am Bass und Yasuhiro Yoshigaki an den Drums (beide Altered States &amp; Ground Zero, dazu Korekyojin bzw. Rovo) sorgen zusammen mit Yoshihide, der dabei fast all seinen Faibles gleichzeitig frönt, dafür, dass die ‚sentimentale Reise‘ so auf Abwege gerät, dass A23Hs Gebläse genau richtig kommt, um über dem Mischmasch aus Freerock, Dub (‚Watermelon‘) und Noise (‚Sentimental Journey‘) mit lachender Verve die Piratenflagge zu hissen. Nicht daran zu denken, dafür einen außerjapanischen Vergleich zu finden und selbst der Name Phew deutet allenfalls für einige Aspekte die grobe Richtung an. Einerseits. Andererseits, sind Brecht &amp; Eisler oder Areski &amp; Fontaine oder Harth als Kurzschluss von Feuer &amp; Eisler etwa halbe Japaner oder Chinesen des Schmerzes? Was hier so bizarr wie wild entschlossen klingt, ist nichts anderes als eine neue ‚Internationale‘ - Signale, die aufwecken, um darum zu kämpfen, „alles zu werden“. Etwas pathetisch gesagt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schon 1995 hatte A23H im hochkarätigen Golden Circle mit David Murray, Fred Hopkins &amp; Dougie Bowne alte koreanische Hofmusik verjazzt, ohne wohl zu ahnen, dass Korea einmal zu seinem neuen Zuhause werden würde. Auch Imperial Hoot stimmte mit ‚Pansori Noon‘ einen Gesang der koreanischen Ein-Mann-Oper an. Ab September 2001 wurde die 24 Millionen-Megalopolis Seoul neuer Lebensmittelpunkt von Harth und seiner Frau, der Künstlerin Yi Soonjoo, und er kam nicht ganz unvorbereitet: I was 13 and copying an ink drawing of Lao Tse. I was 15 and reading D.T. Suzuki's "Zen" and C.G. Jung's writings, with his many links to Asian cultures. I started practicing Yoga at the age of 20 and started a macrobiotic diet at the age of 23 (1972), while also consuming Ginseng and exercising Judo. So, I was open to Asian wisdom and behavior since a long time.* &lt;br /&gt;Das eigene LaubhuetteStudio hallte bald von neuem Tatendrang wider, der sich zu einer Reihe von Laubhuette-Productions auf CD-R und zur Mother-Of-Pearl-Reihe entfaltete, beginnend mit 08-15 celebration (2002), das sich auf den koreanischen Nationalfeiertag der Befreiung von den japanischen Besatzern bezieht (8+15 = natürlich 23), über die Filmmusik Akupunktur in Grün (2002) oder das Ensemble Naeil (2003), bei dem auch tra- &lt;br /&gt;ditionell koreanisch Instrumente zum Einsatz kommen, bis zum micro- saxo- phone-Solo (2008). &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;eShip sum (1000cd, 2003), das erste ‚Perlmütterchen‘, bietet A23H-Träumereien und mehrstimmig züngelnde kleine Chorgesänge auf Bassklarinette, Tenorsax und Trompete, elektronisch gesprenkelt und dezent von minimalen Bass-, Piano- und Drumloops durchpulst, quasi als Morgengabe und Liebeserklärung an die neue Heimat, den ‚Sejongno Boulevard‘ und das ‚Leganza Daewoo Call Taxi‘. Reduziert auf ‚Der Feinheit Wesentliches‘ mischen sich Impressionen und klangliche Reflektionen. Stringsamples werden von D‘n‘B-Gefrickel und Stimmpartikeln durchzuckt und von Autohupen durchrauscht (‚de gloria oliviae‘), ‚Godswing‘, mit Vokalisation von Yi Soonjoo, lässt sich schon vom Schwung des Seouler Trubels mitreißen. Harth scheint sich durchlässig &lt;br /&gt;zu machen für das neue Ambiente und gleichzeitig lockende Düfte auszusenden, lyrische Wellen, die Zärtlichkeit signalisieren und bisweilen so schön sind, dass man die Augen zukneifen muss. Stichworte wie ‚Gematria‘, ‚Shambhal‘ oder ‚Nitya-mukta‘ deuten an, dass A23H nicht ohne kabbalistisches, hinduistisches und buddhistisches Rüstzeug zu Werke geht, wobei seine spielerische Exotica das schönste Mitbringsel ist. Im Kornettspieler Choi Sun Bae fand er einen erstklassigen Partner, den er inzwischen auf Laubhuette 09 auch solo (2007) herausstellte. &lt;br /&gt;Für einen Deutschen ist die unfreiwillige Schicksalsgemeinschaft Korea-Japan ein merkwürdiger Zerrspiegel - alte Kultur, Größenwahn, Besatzung, Plünderung, Traumatisierung, Teilung, ‚Wirtschaftswunder‘. Südkorea wird in der Zeit vorwärts katapultiert, während Nordkorea auf einer anderen Zeitspur dahin kriecht. Südkorea und Japan spielen schlecht versöhnt zusammen Fußball, die Koreaner feiern den Hiroshima-Tag als Freudentag, weil damals die Sonne über den Vampiren aufging, die ihnen von 1910-45 das Blut ausgesaugt hatten. Der amputierte nördliche Zwilling geriet als unbotmäßiger Atomschurkenstaat ins Visier der USA. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„nu:clear re:actor“ (O BACK 0001, 2 x CD, 2004) reflektiert wie in einem Prisma, in dem sich die Moral der US-amerikanischen Politik in eine doppelte gebrochen hat, die Krise um das Atomwaffenprogramm des Geliebten Führers Kim Jong-il, die 2003 zu eskalieren drohte (und 2007 fast stillschweigend beigelegt wurde, längst durch das gleiche Spiel mit dem Iran aus den Schlagzeilen verdrängt), in einem stereoskopischen Blick zusammen mit 9/11 und dessen Nachwehen in einer ‚Strategie der Spannung‘, die aus Terrorgeängstigten Patrioten machte und nur noch Freunde oder Schurken kennen will. In einer rein elektroakustischen Arbeit nähert sich A23H der hermetischen Enklave nördlich des 38. Breitengrades an, die er als archaische Mischung aus knisterndem Feuer, ominösem Dröhnen, Schamanengesang, schäbigen Loops, Gonggedonge, Wassertropfen, geklopften Steinen, verzerrten Stimmen, Sirren und  Ticken so undurchsichtig imaginiert, wie sie bis jetzt geblieben ist - ein Shangri-La, das sich Begehrlichkeiten verweigert. Die DMZ (Demilitarized Zone = Grenze zwischen Nord- und Südkorea) wirkt als ‚Zeitenscheide‘. Man sieht an orange sky in the South, with thousands of points of light in the landscape scattered around. And beyond the border there was instead a huge, really majestic darkness dome. Even more interesting was the difference in sound: on ‚my‘ side there was a constant white noise emanating from driving vehicles. And on the other side there was: ? I witnessed a simultaneous experience of two different ages in nocturnal ‚natural‘ landscapes.* &lt;br /&gt;Neben dieser medial kühlen, untercodierten Magie wird als 우, dem (doppelten) u des koreanischen Hangeul-Alphabets, der 11.+9.+2+0+0+1 (= 23!) zu einem Riss in der Zeit, die sich in eine beschleunigte, heiße, übercodierte und eine gedehnte splittet. Beide Stränge strahlen Phantasmagorien aus, die, miteinander eifernd, Ground Zero und Bagdad, Wallstreet und die Buddha-Statuen von Bamiyan ineinander blenden. Der infernalische Auftakt entspringt dem Schlund von Harths altem Weggefährten Phil Minton, der ihn 2003 in der Laubhuette besucht hatte, gefolgt von Raps, Beats und babylonischem Sprachengewirr, chaotischen Zuckungen und verzerrtem Gebläse, alles wie zerkrümpelt und zerfasert. Kurze Schübe von Hollywoodsoundtracks, ein monotoner Rockgroove, kulminierend in einem diskant schleifenden Crash und Gepolter wie ein entgleisender Zug oder Godzillakrallen, die minutenlang Metallwände aufschlitzen (‚Tower‘). Danach erst nur rumorender Mulm und abgehackte Funksprüche, Telefongebimmel, Gestöhne und Gewimmer von Bassklarinette, gepresst genuckelter Trompete und Saxophon, Trauerarbeit von Strings (‚Tinctur‘), federndes Wummern als knurschiger Loop, der zunehmend hektisch eskaliert, eine Bastonade der gestörten Wahrnehmung, die, gepeitscht und daueralarmiert, mit Technorhythmik kollidiert (‚Tube‘). Maschinengewehrsalven hämmern, es quäken Stimmen, mickymausig verzerrt, überrauscht von U-Bahngebraus und Videospielschlachtenlärm, das ganze ‚Tang‘ ist plunderphonisch zerrüttet, ein knurriges Roaratorio, Trash statt Tragik. Im finalen ‚Ten C‘ kreuzen sich Zeitlupe und Dromologie, ein hysterisches Knäuel aus Spieluhr, Mundharmonika, Stimmengewirr und Noise, das unvermittelt abreißt. 23 vs. Double U (W = der 23. Buchstabe)? Wer steckt hier im Godzillakostüm? &lt;br /&gt;I wished to fill my art with the consciousness that "the other" is, and always was, here with or without any stress and circus.* Die Präambel der Verfassung von Harthland gilt auch da, wo sie am unverzichtbarsten ist, bei den Freund-Feind-Topics und den Verlockungen simpler Schwarzweißmalerei. Dennoch zögert A23H nicht, konfrontiert mit der Kontinuität brutaler Geschichte, unverdrossen sein geflügeltes Streitross zu satteln und zwischen Einstürzenden Neubauten &amp; Aufbauenden Freimaurern° gegen die Monster und Riesen anzureiten, die sich als Windmühlen und Lämmer tarnen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;15.8.2008, Korea feiert heute seinen Nationalfeiertag, gleichzeitig Tag der Befreiung 1945 und Independence Day 1948. Ich finde Maria Himmelfahrt um einiges mytho-poetischer. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;T_ERROR &amp; kr ./. jp (slow.0002, DVD + CD, 2005) inszeniert auf der visuellen Ebene einen 35-min. Overkill aus Bildern. Harth verwirbelt eigene Fotos, Videos, Zeichnungen mit TV-Schnipseln, Nachrichten, Fiktionen (Fahrenheit 451) und Desinformationen, analoge und digitale Techniken, Low-Fi-Optik und Computer-Hightech zu einer Matrix, gewebt und gleichzeitig durchschaut mit dem kritischen Medienbewusstsein von R.A. Wilson, Samuel Weber und W.S. Burroughs. Der alte Wild Boy, mit dem Harth 1990 in Frankfurt die Ausstellung ‚Paintings on Paper‘ organisiert hatte, taucht immer wieder auf in diesem Cut-up A23Hscher Wahrnehmung und Gestaltung von Realität aus 25 Jahren. Vertont ist das in einer quasi ‚terroristischen‘ Collage, einem Brainstorming aus Industrial-Noise &amp; Cyber-Electronica, stechenden Sinuswellen, eigenem, ebenso durchdringenden Gebläse, ‚gefundenen‘ Sounds, koreanischem Operngesang, Freejazz- und Orchesterklang. Wirklichkeit und Wahrnehmung  vexieren dabei in vielspurigen Überblendungen wie Terror &amp; Irrtum, Desperado-,  Staats- &amp; Medienterror, Mücken &amp; Elefanten, Irrtümer und inszenierte Täuschungen, Planet Eden &amp; verkehrte Welt. Es gibt immer guten Grund zu brüllen wie Howard Beale in Network: "I'm as mad as hell, and I'm not going to take this anymore!" Die Mittel, es der Welt zu zeigen, machen den Unterschied. Entweder Selbstermächtigung zum Künstler, oder zum Terroristen, Bomben, oder Spiegel, das Elend mit Galgenhumor düngen, oder die Löschtaste drücken. &lt;br /&gt;Art shall not be holy shit &amp; and artists no holy cows.* &lt;br /&gt;„kr ./. jp“ erinnert an das durch japanische Gewalt vergiftete Missverhältnis Koreas und Japans. 1905 wurde Korea japanisches Protektorat und 1910 vollständig von Japan annektiert und ausgeplündert. Die Annexion endete erst mit der Kapitulation Japans am 15. August 1945. Auf seinem Flickr-Fotostream** zeigt Harth den letzten koreanischen Kaiser und kommentiert: [1895] Japanese ninjas killed the Korean emperor's wife [Empress Myeongseong] and robbed the palace. Shortly after the Japanese abolished the Korean emperor's dynasty. On the other hand Japan's emperor who is suspected of war crime throughout World War II could continue to reign until 1989 when he died. Als atomares Megaopfer und verschanzt hinter seine trotzige Schamkultur, mauserte sich Japan zum Kriegsgewinnler, ohne je seine Schuld(en) speziell an Korea zu begleichen. &lt;br /&gt;Orchestrale und String-Samples von Yun I-sang (1917-95), Impulse der Astronoise- Elektroniker Hong Chulki &amp; Choi Joonyong und Sounds von Harths HaLe PaAt-Partner Bülent Ates, ‚koreanisches‘ Getröte, Rapfloskeln und Gegonge verbinden sich mit eigenem, oft ganz elegischem Gebläse und krätzigen, ploppenden Clicks + Cuts zu einem immer wieder giftigen oder pathetischen Ansturm auf die Sinne. ‚Contury Cheiron MMV‘, der abschließende vierte und längste Track, mixt (Meeres?)-Rauschen, Funksprüche und freejazziges Saxophon mit wiederum durchdringender Elektronik, mit unterschwelligem Trauermarschduktus, als ob das Sogenannte Linksradikale Blasorchester auferstanden wäre aus Ruinen. Pianonoten beruhigen das Bläserchaos nur vorübergehend, schnarrende Trompete und ein atemlos bohrendes Saxophonsolo kehren wieder, mit elektronischen Schleppen, Rückwärtsloops. Das Tenorsaxophon wechselt kurz ins Elegische, gerät aber in eine wirbelnde Zentrifuge, surft auf dem schlagzeuggetriebenen Noise furios dahin, wird kurz von einem Dudelsack verschluckt, behält aber mit bittersüßem Ton zu Maultrommeltwangs das letzte Wort. &lt;br /&gt;Der weise und gerechte Kentaur Cheiron, von einem Giftpfeil des Herakles zu einer Ewigkeit aus Schmerzen verdammt, vermachte seine Unsterblichkeit dem Prometheus und wurde in das Sternbild Zentauri verwandelt. Allein mit so einem Namen evoziert A23H eine mythopoetische Erzählung von Betrug, Zoophilie, Missgeburt, Widerspruch von Schein und Wesen, Heilkunst, Gastfreundschaft, Streit, Kollateralschaden, Schmerz und Tausch, die sich tragisch fortsetzt im prometheischen Zwitterwesen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit Seoul Milk (slow.002, 2002/2005) - die führende Molkerei der Stadt heißt tatsächlich so - pflückt A23H seiner neuen Heimat mit ihrer fein unabgestimmten Mondkultur°, ihrer Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen als bizarrer Mixtur aus Tokaebis &amp; High Tech, antik &amp; ultrahip, einen weiteren Strauß an klanglichen Blüten aus dem Garten der Lüste. ‚A sonic bouquet‘ nennt er selbst den 56-min. Soundscape, der in einem elektroakustischen Konglomerat den O-Ton der Stadt durchschüttelt mit elektronischen und instrumentalen Zutaten, Gesängen, Hupen, Stimmengewirr, Maschinenbeats, gipfelnd im Über-Verdi-Pathos der Eröffnungsfeier der Fußball-WM. A23H als Muslimgauze des Fernen Ostens. In einer ersten Fassung ausgestrahlt vom HR 2002, ist der Remix von 2005 noch dichter und stärker verarbeitet in eine polymorphe, vielschichtige Collage aus Loops, Cut-ups, Drones und der gedämpften Trompete von Choi Sun Bae, den Harth mit Saxophon und Bassklarinette umzüngelt. Auch im Vergleich mit der träumerischen, exotistischen Leichtigkeit von eShip sum ist die Musik nun tougher, urbaner, noisiger, geballte Rushhourhektik, Geschäfts- und Nightlife-Remmidemmi, die eifrig und begeistert nachgespielt werden. Als ob das spielerische Simulakrum den realen Stress, die fremden und unverständlichen, erst recht unbeherrschbaren Aspekte sublimieren, drohende Anästhesie reästhetisieren könnte. A23H spiegelt, reflektiert, überbietet mit seinem Milkshake den 24-Stunden-Disco-Sound von Seoul. Darum geht es doch immer, Plünderung, Aneignung, Kannibalisierung, aber eben als Spiel, nicht grausam, sondern verliebt. Und letztlich bleibt das Objekt der Begierde und der Ängste unberührt, unbeschädigt, in seiner Eigenheit sowieso unfassbar und unantastbar. Allenfalls Grund für ein Ahh! und die Erkenntnis ‚Tat tvam asi‘ - das bist du. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;NUN (O BACK 0002, 2006) verbeugt sich vor der koreanischen Poesie. Exemplarisch stehen dafür, passend zum Jahr des Hundes, ‚Dog‘ von Yun Dong-ju (1917-1945) und ‚Leasing a Straw Hut‘ von Yi Kyu-bo (1168-1241). A23H denkt freilich nicht daran, in falscher Andacht von seiner zerrissenen, hypermodernistischen Ästhetik abzuweichen. Er mischt seine Komposition ‚iGnorance‘, 2005 als Hommage an I-sang Yun aufgeführt, die er mit Material seines Frühwerkes ‚Simulator‘ gespickt hat, mit Samples seiner letzten Frankfurter Band, dem Freestyle-Dope-Beat-Quartett Tattoo, von 2001 und zerhäckselt das Ganze als Klangcollage à la Sweet Paris, nur noisig und zerfetzt. Die Selbstverständlichkeit, auch das Selbstverständnis, dass Gestern und Vorgestern mit hoher Selbstreferenzialität im Heute ständig anwesend sind, ist typisch für die Harth‘schen Illuminationen. Mit ‚For Taran‘ folgt ein natürlich stupendes Bassklarinettensolo, mit ‚Bref‘ ein Soundclash von 1998 zwischen Harth an Farfisa und Rhythmbox und Micha Daniels (vom Stern4et) an Gitarre und Mizmar und als ‚Test for Tokyo‘ ein mit Kontaktmikrophonen und Kaoss Pad frisiertes Tenorsaxsolo. Das Yi-Gedicht ist eingebettet in improvisierte Klänge der Pianistin Kae Soojung und des Bassisten Chang U Choi, Harths Partnern im Jeep Quintet/mode 0 und Fieldrecordings von der Kieselsteinbucht in Hakdong, ein Ort, der in Korea für seinen Schönklang berühmt ist, wobei diese Ingredienzen massiv zermorpht und mit Harth-Vielklang verrührt wurden. ‚108‘ schließlich bezieht sich auf die 108 Hindernisse, die es auf dem Weg zur Erleuchtung zu überwinden gilt und enthält Violinklänge von ATA (aka Andreas Scheufler). In fasrige, helle Drones mischt sich ein Saxophon, das aber im ursuppigen Untergrund, der beständigt brodelt und fiept, untergeht. Die Welt ist nur stellenweise koreanisch und poetisch, 107 ihrer 108 Attribute sind chaotisch. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;19.8.2008. Seit heute ist A23H Zweigstellenleiter der &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Walther_von_Goethe_Foundation"&gt;Walther von Goethe Foundation&lt;/a&gt; in Seoul. &lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Homura (Off Note, ON-62, CD + DVD, 2007) heißt Flamme, speziell die, die im Herzen glimmt. Jedes Kapitel des Treffens von A23H und des Trompeters CHOI SUN BAE mit dem japanischen Pianisten YORIYUKI HARADA spielt auf ein spezielles Feuer an - Sternenlicht, Leuchtfeuer, das mythische Feuer aus dem Maul des Fuchses, das damit verwandte Irrlicht über Gräbern und die Glut unter der Asche. Die Musik verbeugt sich &lt;br /&gt;vor dem Drummer und Kalligraphen Kim Dae Hwan (+ 2004), einem Pionier koreanischer Feuermusik, und vor dem japanischen Illustrator Eitaro Takenaka (1906-1988), einem Meister des "ero-guro-nansensu (erotic-grotesque-non-sense)"-Stils. Harada, Jahrgang 1948, zählte mit Kazutoki Umezu und Shudan Sokai sowie Seikatsu Koujyou Iinkai Dai Kangen Gakudan in den 70ern zu den Jungen Wilden der japanischen Fire Music. Heute, schlohweiß geworden und mit vor Konzentration zugekniffenen Augen, hämmert und feuert er seine Noten, dass Massimo Ricci*** an  Sergej Kuryokhin an seinen besten Tagen denken musste. Zusammen mit dem weißbärtigen Trompeter, bei dem ich einen Vergleich mit Bill Dixon wagen möchte, vereinen also drei erfahrene und je eigene Köpfe ihre pyromanischen Kräfte für eine meisterlich geglückte dreiviertel Stunde. Dass schon eine Vertrautheit zwischen den ‚Seoulern‘ besteht, die als Zusammenklang und gekonnte Kontrapunkte hörbar wird, scheint Harada nur zu besonders kapriziösen Wendungen und dezisionistischen Behauptungen anzuregen. Sein ‚Großes Tor von Kiew‘-Ton, seine ent- &lt;br /&gt;schlossenen Salven bei ‚Noriyoshi‘ treiben Harth kopfüber an die Decke. Choi lockt den japanischen Feuerwerker danach für ‚Kitsunebi‘ auf lyrisches Terrain, nur um Hühner zu rupfen und Herb Robertson mit dem Ellbogen zu schupsen. Harada macht einen auf Mengelberg, zeigt schlitzohrigen Humor, der im Handumdrehen Harths ‚Onibi‘-Poesie mit füchsischen Einflüsterungen zum Irrlichtern bringt. Die Glut von ‚Uzumi‘ facht Choi zuerst nur fauchend an, bis Harada immer stärkere Funken aufglimmen lässt, die sich ihren eigenen Weg fressen. Ich bin da nur Zunder auf diesem Weg, der in der Flammenpracht von ‚Homura‘ endet, das einen endgültig mit maximalistischen Einfällen glühende Backen macht. &lt;br /&gt;Die DVD fügt dem noch drei Farbtöne an, ‚Homura [shadow blue]‘ im Trio, von Videopsychedelik und Schwenks über Land und arme Leute überflackert, als ob klar gemacht werden sollte: Da sind keine Aliens gelandet, das ist mitten aus unser aller Leben gegriffen (ein nicht ganz so primeliges Auge erkennt freilich auch das japanische Klischee vom popeligen Korea). Danach ‚crimson‘ als Harada-Solo und als ‚purple‘ ein Duett von Kim Ju Hong &amp; Kwark Jae Hyuk mit Jing-Gong und der Bambus-Oboe Piri. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eines der aktuellsten Kapitel der A23H-Saga, in der hier Stationen wie die Duos mit Mani Neumeier (Red Art), John Zorn oder Peter Brötzmann (alle 1986), mit Heinz Sauer (Parcours Bleu a Deux, 1992-93), Wolfgang Stryi (1996-97) und Uwe Oberg (1997-99) oder das filmisch inspirierte Projekt mit Peter Kowald (Region 2 for Seconds, 1998-99) und sogar das Power-Trio mit Brötzmann &amp; Sharrock (1987) fast unbemerkt von Gras überwuchert werden, entstand 2007 in Kräuterteezeremonien mit Hans-Joachim Irmler (in dessen Fauststudio) und Günter Müller. Letzteres war ein Wiedersehn, denn Müller und sein damaliger Nachtluft-Partner Andres Bosshard waren 1987 zusammen mit Minton und Sharrock Teil von Harths heftigem Projekt Aleister &amp; Alice II für das Jazzfestival Willisau gewesen. Als TASTE TRIBES (For 4 Ears, 2008) mischten und schichteten die Drei Sounds von Tenorsax, Klarinette, Kaoss Pad etc. (A23H), ‚Phantomorgel‘ (Irmler) &amp; iPod + Electronics (Müller), dazu flossen Gitarrensamples von Kawabata Makoto mit ein und Ausschnitte von Conrad Schnitzlers Projekt ‚Eruption‘ (1970). Harth dockt mühelos am For 4 Ears-Format an, bläst wie durch einen Strohhalm und doch entsteht ein großes Rauschen, wenn ‚Genuine Imitation‘ durch eine orchestrale Wolke driftet. Subwoofer, in geile Tiefen° abgestiegen, lassen die Hörschwelle erzittern, die Geräuschwelt wird mit Luftlöchern perforiert. Harth fiept aus dem letzten Loch, bis ihn das feine Orgeln und schleifende Mahlen der ‚Weasel Worlds‘ verschlucken. In Gebrodel geköchelt, wird er zum Trocknen an die Wäscheleine auf der Wiese hinterm Haus gehängt. Seine Klangcollagen in Eigenregie sind nicht derart feinstofflich, derart nur Schatten von Klängen, so pneumatisch, dass sie kaum Schatten werfen. ‚Doubletwist‘ lässt die Schatten sublim schnurren, atmen und davon träumen, einmal der süße Ton eines Saxophons zu werden oder einer gewesen zu sein. Im Selbsttest vergewissern sie sich ihrer Existenz, unter der es wieder abgründig grummelt. Entschieden lebhafter ist dann ‚Eruptive Obfuscation‘. Eine Maßstabverschiebung macht aus der Nebelkammer den Raum für einen Spacetrip, aus komischen Krümelmonstern werden kosmisch groovende Kuriere, die, auf eigene Faust zur Rushhour mit einer Lieferung Müller-Milch unterwegs gen AlfHa Zentauri, den Topos widerlegen, dass es im Weltall lautlos zugeht. Womit schlagend die Inkongruenztheorie bestätigt wäre. Unangemessene Erwartungen werden durch ‚kognitive Dissonanzen‘ düpiert, Konsequenz: Irritation &amp; verlegene Scherzchen meinerseits. Aber ist nicht doch jede Kotkugel, vom Heiligen Skarabäus gerollt, sonnenhaft? Was bleibt? Die Erwartung weiterer, von ‚ewiger Blumenkraft‘ &lt;br /&gt;überquellender Überraschungen. Denn ich habe Harths Versprechen im Ohr: &lt;br /&gt;Music that makes me feel happy and sorrowful at the same time &lt;br /&gt;is the most interesting to me.* &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;* &lt;a href="http://a23h-interview.blogspot.com"&gt;http://a23h-interview.blogspot.com&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;** &lt;a href="http://www.flickr.com/photos/a23h"&gt;www.flickr.com/photos/a23h&lt;/a&gt;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;*** &lt;a href="http://www.touchingextremes.org"&gt;Touching Extremes&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;° Briefwechsel mit rbd [unveröffentlicht]&lt;br /&gt;-----------------&lt;br /&gt;in Bad Alchemy 60,rbd&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8736640020032074926-5328776103245444141?l=a23h-ba.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://a23h-ba.blogspot.com/feeds/5328776103245444141/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8736640020032074926&amp;postID=5328776103245444141' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8736640020032074926/posts/default/5328776103245444141'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8736640020032074926/posts/default/5328776103245444141'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://a23h-ba.blogspot.com/2008/11/a23h-anything-goes-jazz-ist-eigentlich.html' title='A23H - Anything Goes – Jazz ist eigentlich ein querstehendes Gefühl'/><author><name>kurt</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8736640020032074926.post-8017711284925438250</id><published>2008-08-05T02:53:00.000-07:00</published><updated>2008-08-10T07:00:28.054-07:00</updated><title type='text'>EXPEDITION - Hans Tammen,Alfred 23 Harth,Chris Dahlgren,Jay Rosen (ESP,4031)</title><content type='html'>Die ESP-Klassiker waren seit 1991 durch Lizenzen (ZYX, Calibre, Abraxas) für Liebhaber immer zugänglich, auch wenn manche Perlen nur für Perlenschweine auffindbar waren. Dass aber seit 2005 wieder in Eigenregie neben Wiederveröffentlichungen auch Neues erscheint, das hätte ich beinahe verpasst. Neben New Ghost, Lindha Kallerdahl und Yuganaut sticht mir unvermutet der Name HANS TAMMEN ins Auge, wie sich herausstellt als Spitze eines Vulkans. Expedition (ESP 4031), 2001 in der Knitting Factory aufgenommen und 2006 veröffentlicht, entstand im Verbund mit CHRIS DAHLGREN an Bass &amp; Electronics, dem Trio-X-Drummer JAY ROSEN und - ALFRED 23 HARTH an Tenorsax &amp; Bassklarinette. Zwischen seiner großartigen Einspielung mit dem Trio Viriditas und seinen ostasiatischen Eskapaden wie &lt;a href="http://a23h-pearl.blogspot.com/"&gt;eShip sum&lt;/a&gt; (2003) und mit Otomo Yoshihide's New Jazz Orchestra findet man ihn hier auf rigorosem Kurs durch feurigste Fire Music. Rosens fiebriges Klackern wird beständig verstärkt und verdichtet durch Noise, dessen Herkunft oft unklar bleibt. Dahlgrens knurrige Bogenstriche oder elektronische Ausläufer? Tammen mit seinem schrappeligen Drahtbürstensound? Mit seinen in sich oder rückwärts verdrehten Kürzeln spielt er auf der Beerdigung der Gitarre, wie man sie kennt. Und Harth erst! Anfänglich als jung-wilder ESPler wie Pharoah Sanders, Sonny Simmons und Frank Wright, dann kurz sogar mit Aylereskem Pathos oder als Arkestra-Maat heliozentrisch unterwegs, öffnet er bei ‚Retained Notions...‘ seine eigenen Burn-Baby-Burn-Speicher, wechselt für ‚A Brief Pleasure Trip‘ zur Bassklarinette und rauscht dahin wie Kohoutek. ‚From One Place To Another‘ ist pure außerirdische Poesie aus Elektrofunken, Pizzikato und wunderbar erratischen Bassklarinettensprüngen, die sich plötzlich ballt und mit vereinten Kräften gegen den Hintereingang zum Paradies rummst. ‚A Place That Has Emotional Significance‘ entwickelt seine Gefühltsprotuberanzen durch ein so nicht erwartetes irrwitziges GITARREN-Solo. Damit nicht genug, folgt noch eine wie auf einer Nilbarke dahin geruderte, von Theremin umwölkte, exotisch umzwitscherte A23H-Träumerei in den oberen Klarinettenregistern. Und man ist mittendrin im Herzen von ESP. &lt;br /&gt;[ba 59 rbd]&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8736640020032074926-8017711284925438250?l=a23h-ba.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://a23h-ba.blogspot.com/feeds/8017711284925438250/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8736640020032074926&amp;postID=8017711284925438250' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8736640020032074926/posts/default/8017711284925438250'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8736640020032074926/posts/default/8017711284925438250'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://a23h-ba.blogspot.com/2008/08/expedition-hans-tammenalfred-23.html' title='EXPEDITION - Hans Tammen,Alfred 23 Harth,Chris Dahlgren,Jay Rosen (ESP,4031)'/><author><name>kurt</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8736640020032074926.post-8995267398787063885</id><published>2008-08-05T02:50:00.000-07:00</published><updated>2008-08-05T06:42:07.635-07:00</updated><title type='text'>Vier Fäuste Für Hanns Eisler/Vom Sprengen des Gartens - Duo Goebbels/Harth (Recommended Records, 2CD)</title><content type='html'>Längst ist HEINER GOEBBELS bei seinem langen Marsch von der Frankfurter Spontiszene durch die Institutionen angekommen bei der Goetheplakette der Stadt Frankfurt, dem Hessischen Kulturpreis und der Präsidentschaft der Hessischen Theaterakademie, mehr als verdient. &lt;br /&gt;Die Fotos auf Hommage/Vier Fäuste für Hanns Eisler + Vom Sprengen des Gartens (ReR GH1, 2 x CD) zeigen ihn als wuschelköpfigen Twen, der mit Piano und Akkordeon Bach, Rameau und Schumann mit Nino Rota und vor allem mit Eislermaterial kurz schloss. &lt;br /&gt;An seiner Seite der Saxophon- &amp; Klarinettist ALFRED HARTH, mit Jahrgang 1949 der um drei Jahre ältere Kompagnon einer Produktionsdyade, die von 1974-88 Bestand hatte. Bevor die beiden sich auch im Sogenannten Linksradikalen Blasorchester&lt;br /&gt;zusammentaten, hatte Harth schon mit &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Just_Music_%281960s_music_group%29"&gt;"just music"&lt;/a&gt; und &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/E.M.T."&gt;"E.M.T."&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;(Energy/Movement/Totale) internationale Freejazzerfahrungen gesammelt.&lt;br /&gt;Die Eisler-Hommage entstand im Oktober 1976, die Scheibe mit den&lt;br /&gt;Gorlebendemonstranten auf dem Cover 1978/79, beide erschienen sie in&lt;br /&gt;der SAJ-Reihe von FMP, in der Jost Gebers auch schon Canadian Cup of&lt;br /&gt;Coffee von E.M.T. herausgebracht hatte. Das Rezept dabei war irre,&lt;br /&gt;Eisler reimte sich plötzlich auf Albert Ayler. G &amp; H spielten Trinità&lt;br /&gt;und Bambino, dass es im Westend nur so staubte. Nicht Kraut war&lt;br /&gt;Inspirationsquelle, sondern Brecht. Wenn es keine deutsche&lt;br /&gt;Populär-Kunsttradition mehr gab, musste man sie eben neu erfinden. ‚Zur&lt;br /&gt;Überwindung von Schwierigkeiten‘, gegen Städtetod, Atommüll, bleierne&lt;br /&gt;Zeit deklarierten die beiden schlicht: ‚So, das ist, was wir brauchen‘.&lt;br /&gt;‚Vorwärts!‘, der ‚Sieg im Volkslied!‘ ist zum Be-Greifen nah. In Harth&lt;br /&gt;fand Goebbels das ideale Megaphon, er konnte wie kein zweiter&lt;br /&gt;hierzulande wilde Töne spucken, die ganz den Geist der ‚October&lt;br /&gt;Revolution in Jazz‘ atmeten, zur Kirchenorgel einen Bach-Choral&lt;br /&gt;anstimmen und mit dem nächsten Atemzug die zartesten Melodiechen&lt;br /&gt;summen. Selten klangen Ratschläge lustvoller, ‚Rock gegen Rechts‘&lt;br /&gt;intelligenter, Notwendigkeit bewegender.&lt;br /&gt;1981 folgten "Es herrscht Uhu im Land" (Japo), Bertold Brecht: "Zeit wird&lt;br /&gt;knapp" (Tonstudio Zuckerfabrik) un"d auf Riskant "Indianer für Morgn", 1982 das Cassiber-Debut  "Man or Monkey. Bis hin zu "Live à Victoriaville"&lt;br /&gt;(Victo, 1987). Da waren Eislers ‚Der zerrissene Rock‘ und ‚Die haltbare&lt;br /&gt;Graugans‘ und ‚Le Rappel des Oiseaux‘ dann schon immer wieder gern&lt;br /&gt;gehörte G &amp; H-‘Standards‘. Die Leistung bestand darin, nicht einfach&lt;br /&gt;Klassik für die Werktätigen zu verjazzen. Man fand vielmehr einen&lt;br /&gt;gemeinsamen Nenner zwischen den europäischen und amerikanischen Stoffen und Formen, zwischen gehobenen und gefallenen Kulturgütern darin, sie als urbane Gassenhauer zu präsentieren und als Medium menschlicher Bedürfnisse, ohne populistische Verarschung.&lt;br /&gt; „Und übersieh mir nicht &lt;br /&gt;Zwischen den Blumen das Unkraut, das auch Durst hat“, hatte Brecht&lt;br /&gt;empfohlen (‚Vom Sprengen des Gartens‘). Vogelfreie ‚Krähenmusik‘ ließ&lt;br /&gt;dem Unkraut Flügel wachsen. Dazu brauchte es keine Worte. Die&lt;br /&gt;‚Botschaft‘, der Widerstand gegen Nazitum in jeder Gestalt, sprudelte&lt;br /&gt;aus Melodie &amp; Rhythmus, mit der Eloquenz eines Heinrich Heine, an den&lt;br /&gt;Goebbels bei seinem ‚Bis bald, Calypso‘ gedacht hatte. Der einst so&lt;br /&gt;brechtianisch bestellte Garten ist zur Müllkippe verkommen, als&lt;br /&gt;Parkplatz geplättet. Aber Unkraut vergeht nicht.&lt;br /&gt;[ba 56 rbd]&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8736640020032074926-8995267398787063885?l=a23h-ba.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://a23h-ba.blogspot.com/feeds/8995267398787063885/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8736640020032074926&amp;postID=8995267398787063885' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8736640020032074926/posts/default/8995267398787063885'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8736640020032074926/posts/default/8995267398787063885'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://a23h-ba.blogspot.com/2008/08/vier-fuste-fr-hanns-eislervom-sprengen.html' title='Vier Fäuste Für Hanns Eisler/Vom Sprengen des Gartens - Duo Goebbels/Harth (Recommended Records, 2CD)'/><author><name>kurt</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8736640020032074926.post-3286963365585977701</id><published>2008-08-05T02:45:00.000-07:00</published><updated>2008-08-05T02:50:06.148-07:00</updated><title type='text'>Live Vol.1 Series Circuit &amp; Vol.2 Parallel Circuit - ONJO (Doubt Music,dmf-115/116 &amp; dmf-117/118, je 2 x CD)</title><content type='html'>zeigt ONJO, Otomo Yoshihide‘s New Jazz Orchestra, in Berlin, Tokyo, Kyoto und Nagoya, schwankend zwischen 10- und 35-köpfiger, weitestgehend fernöstlicher Besetzung, inklusive dem Neosüdkoreaner Alfred Harth. Neben Eric Dolphy, von dem ‚Out To&lt;br /&gt;Lunch‘, ‚Straight Up And Down‘ und ‚Hat And Beard‘ (Vol.1) sowie&lt;br /&gt;‚Something Sweet, Something Tender‘ in einer ganz schwebenden und&lt;br /&gt;‚Gazzelloni‘ in einer enorm fetzigen Version erklingen (Vol.2), ist&lt;br /&gt;Yamashita Takeo (1930-2005), ein Komponist von populärer TV-Musik, von&lt;br /&gt;der jedes japanische Kind in den 60ern und frühen 70ern geprägt wurde,&lt;br /&gt;einer der ästhetischen Brennpunkte dieser Konzertreihe, die Yoshihides&lt;br /&gt;musikalischen Werdegang ausfaltet. Yoshihide hatte Yamashita schon mit&lt;br /&gt;Plays the Music of (1999) Tribut gezollt und damit seine&lt;br /&gt;ONJQ-ONJE-ONJO-Lawine ins Rollen gebracht. Dolphys Jazz, dem er in&lt;br /&gt;Jazz-Kaffeehäusern gelauscht und dafür Schule und Studium geschwänzt&lt;br /&gt;hatte, und die unbewusster eingelagerten TV-Soundtracks waren für&lt;br /&gt;Yoshihide nicht nur prägend, sie öffneten ihm auch Auswege aus dem&lt;br /&gt;Zwiespalt zwischen dem New-Directions-Gitarristen Takayanagi Masayuki&lt;br /&gt;als lähmendem Übervater und dem Gefühl, ihn ‚verraten‘ zu haben, erst&lt;br /&gt;durch Ground-Zero, dann, nun auch Ground-Zeros überdrüssig, durch&lt;br /&gt;onkyo. Yamashita öffnet einen Zugang für poppiges oder ätherisches Easy&lt;br /&gt;Listening (‚Playgirl BGM‘‚ ‚Super Jetter‘), für kayokyoku, japanische&lt;br /&gt;Schlagermusik (‚Lost In The Rain‘) und trashige Action (‚Lupin The&lt;br /&gt;Third/Afro Lupin ‘68‘). Kahimi Karies Stimme ist eine Hauptzutat in&lt;br /&gt;Yoshihides Metafusion seiner musikalischen Erfahrungen und Vorlieben,&lt;br /&gt;Elektronik eine zweite, vertreten durch Sachiko M (sinewaves) und Unami&lt;br /&gt;Taku (computer), furiose Bläser die dritte (Alfred Harth, Tsugami&lt;br /&gt;Kenta, Okura Masahiko) und akustische Finessen eine vierte (Vibraphon,&lt;br /&gt;Sho), wobei in Tokyo für die sublimen ‚Command‘-Performances ein ganzes&lt;br /&gt;Bündel von Strings das Orchestra verstärkte. Mit dem Abgleich der&lt;br /&gt;beiden prachtvollen Versionen des Medleys ‚Mayonaka no Shizukana Kuroi&lt;br /&gt;no Ue ni / Ukabiagaru Shiroi Yuri no Hana‘ könnte man Wochen zubringen.&lt;br /&gt;Wollte man ONJO überblenden mit der Territory Band, dem Brötzmann&lt;br /&gt;Chicago Tentet oder den Bigbands von Satoko Fujii, dann sind die Vocals&lt;br /&gt;ein Surplus, die statt  durch japanischen Exotismus mit französischem&lt;br /&gt;Charme becircen. Mehr noch aber macht der Anklang von Legrand und&lt;br /&gt;Mancini, das Ausschweifen in Sweetness, der schwelgerische Duktus von&lt;br /&gt;Jim O‘Rourkes selig machendem ‚Eureka‘ als gehauchtem Chanson und&lt;br /&gt;Yoshihides eigenem ‚Climbers High Opening‘, seinen Synkretismus so&lt;br /&gt;attraktiv, so einnehmend. Wie Posaune und Sho die Berliner Version von&lt;br /&gt;Yamashitas ‚Namida kara Ashita e‘ einleiten und dazu Morricone-Singsang&lt;br /&gt;ertönt, den erst Kentas Alto, dann Harths Tenorsax bluesig&lt;br /&gt;weiterspinnen zu Spacewhispers aus drei Frauenkehlen, das ist freiweg&lt;br /&gt;herzensbrecherisch. Mit elastischen Bändern hält Yoshihides&lt;br /&gt;Arrangierkunst eine Balance zwischen stimmungsmalerischer Impression&lt;br /&gt;und expressiven, maximalistischen Momenten, der kompositorischen&lt;br /&gt;Thematik und der Erfindungskraft seiner Mitmusiker, die Jazz als&lt;br /&gt;Universalsprache der Gefühle wie ihre Muttersprache sprechen.&lt;br /&gt;Yoshihides Agenda richtet sich, ähnlich wie bei Ken Vandermark, darauf,&lt;br /&gt;mit seiner Musik nicht hehren Zielen zu dienen, und seien es so&lt;br /&gt;ehrenwerte wie der Protest gegen Unterdrückung und Krieg, sondern&lt;br /&gt;Wurzeln im Alltag zu schlagen, nah zu sein an den Dingen des Lebens,&lt;br /&gt;Essen, Trinken, Feierabend. Wo er politisch steht, zeigt Yoshihide mit&lt;br /&gt;der Spoken-Word-Version von Victor Jaras ‚Te recuerdo Amanda‘ und&lt;br /&gt;Charlie Hadens ‚Song for Ché‘; wie man Energie bündelt mit dem mit&lt;br /&gt;7-fachen Electronics forcierten donnergöttlichen ‚ANODEONJO‘ (Vol.2).&lt;br /&gt;Mit dem Ayleresken ‚Climbers High Ending‘ endet ONJO als ausgelassene&lt;br /&gt;Funeral Band, die sich und allen in Hörweite die Hochgenüsse von&lt;br /&gt;Schlaraffenland gönnt -     HIER und JETZT.&lt;br /&gt;[ba 56 rbd]&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8736640020032074926-3286963365585977701?l=a23h-ba.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://a23h-ba.blogspot.com/feeds/3286963365585977701/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8736640020032074926&amp;postID=3286963365585977701' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8736640020032074926/posts/default/3286963365585977701'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8736640020032074926/posts/default/3286963365585977701'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://a23h-ba.blogspot.com/2008/08/live-vol1-series-circuit-vol2-parallel.html' title='Live Vol.1 Series Circuit &amp; Vol.2 Parallel Circuit - ONJO (Doubt Music,dmf-115/116 &amp; dmf-117/118, je 2 x CD)'/><author><name>kurt</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8736640020032074926.post-4097086827221464263</id><published>2008-08-05T02:42:00.000-07:00</published><updated>2008-08-05T02:45:39.022-07:00</updated><title type='text'>Out To Lunch - OTOMO YOSHIHIDE‘S NEW JAZZ ORCHESTRA (Doubt Music,dmf 108)</title><content type='html'>Der Bezug ist klar, Eric Dolphys Blue-Note-Klassiker, 1964&lt;br /&gt;verewigt mit Freddie Hubbard, Bobby Hutcherson, Richard Davis und Tony&lt;br /&gt;Williams. ONJO spielte 41 Jahre später eine komplette Neufassung ein,&lt;br /&gt;zu der Otomo angeregt wurde durch Erinnerungen an die Jazzaficionados&lt;br /&gt;Tonoyama Taiji &amp; Shimizu Toshihiko und an seine eigenen frühen Jahre&lt;br /&gt;als Jazzkellerassel Ende der 70er/Anfang der 80er. Für die Neufassung&lt;br /&gt;stand ihm statt seinem Quintett mit Mizutani Hiroaki am Bass und&lt;br /&gt;Yoshigaki Yasuhiro an den Drums ein ganzes internationales Ensemble zur&lt;br /&gt;Verfügung mit Axel Dörner (tp), Alfred Harth (bass-clarinet, tenor&lt;br /&gt;sax), Mats Gustafsson (baritone sax), Cor Fuhler (piano) und Takara&lt;br /&gt;Kumiko (vibraphone), weiteren Saxophons, Posaune, Sho und Electronics.&lt;br /&gt;Der Auftakter ‚Hat And Beard‘ mit seinem markanten Head - die Revision&lt;br /&gt;folgt übrigens der Reihenfolge des Originals - stand schon auf dem&lt;br /&gt;Repertoire des ONJQ und schickt Dörner auf die Spuren von Hubbard und&lt;br /&gt;Alfred Harth zeigt hier schon kurz und ausgiebig dann beim&lt;br /&gt;nachfolgenden ‚Something Sweet, Something Tender‘, was für eine&lt;br /&gt;atemberaubende Bassklarinette von freiweg Dolphy‘eskem Zuschnitt er&lt;br /&gt;bläst. Gustafssons Bariton spotzt seine unverwechselbaren Töne und der&lt;br /&gt;Noise, der aus allen Winkeln dieses elektroakustischen Orchesters&lt;br /&gt;glitzert und stichelt, macht den Zeitsprung deutlich, der an Jazz&lt;br /&gt;keineswegs so spurlos vorüber ging wie einem manche weiß machen&lt;br /&gt;möchten. ‚Gazzelloni‘ ist der Fetzer des Sets, komprimierter Jazzcore&lt;br /&gt;mit Powerdrums, Otomos Last-Exit-Gitarre, heiß laufenden Electronics&lt;br /&gt;und Over-the-Top-Gebläse, ein Heidenspaß mit Dr. Umezu-Schmauchspur!&lt;br /&gt;Beim Titelstück kehrt sich, während die Oberfläche noch zivilisiert&lt;br /&gt;swingt, mehr und mehr das Innerste nach außen, Bass und Vibraphon&lt;br /&gt;walken stoisch der Nase nach, und der Rest der Truppe probt die&lt;br /&gt;kakophone Himmelfahrt mit dem Diabolus in musica als Leader of the&lt;br /&gt;Pack. Was uns zu ‚Straight Up And Down‘ bringt, von Otomo mit ‚Will Be&lt;br /&gt;Back‘ auf gut 27 Min. gestreckt. Aus dem prächtigen Hornarrangement&lt;br /&gt;entfaltet sich eine Demonstration dessen, was ‚Jazz‘ nach dem Tod von&lt;br /&gt;Jazz anstellen kann, wenn er sich nicht postmodern und epigonal&lt;br /&gt;schniegelt, sondern verbündet mit Dröhnelektronik, unkastrierter Musica&lt;br /&gt;Nova und neo- und metafreier Energie, die Stille konsequent mit&lt;br /&gt;einschließt. Das ist dann schon auch ein Härtetest für Gemüter, die&lt;br /&gt;gern Erfahrung mit Spektakel verwechseln. Ob Dolphy selbst mit einer&lt;br /&gt;derartigen ‚Outness‘ klar gekommen wäre oder sich lieber mit einem ‚Out&lt;br /&gt;to Lunch‘ verdrückt hätte? Manche versuchen auf Riesen zu reiten,&lt;br /&gt;andere kriechen ihnen zu Füßen. Otomo dagegen würde Meister Kaios&lt;br /&gt;Wohlgefallen finden. &lt;br /&gt;[ba 50 rbd]&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8736640020032074926-4097086827221464263?l=a23h-ba.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://a23h-ba.blogspot.com/feeds/4097086827221464263/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8736640020032074926&amp;postID=4097086827221464263' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8736640020032074926/posts/default/4097086827221464263'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8736640020032074926/posts/default/4097086827221464263'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://a23h-ba.blogspot.com/2008/08/out-to-lunch-otomo-yoshihides-new-jazz.html' title='Out To Lunch - OTOMO YOSHIHIDE‘S NEW JAZZ ORCHESTRA (Doubt Music,dmf 108)'/><author><name>kurt</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-8736640020032074926.post-5366215352287421906</id><published>2008-08-05T02:36:00.000-07:00</published><updated>2008-08-10T06:57:41.219-07:00</updated><title type='text'>waxwebwind@ebroadway - Trio Viriditas             (Clean Feed 003)</title><content type='html'>Endlich mal eine Wiederbegegnung mit Alfred Harth (saxophone, clarinet), wenn auch weitab meiner Reminiszensen an &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Cassiber"&gt;Cassiber&lt;/a&gt;, &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Duo_Goebbels/Harth"&gt;Goebbels/Harth&lt;/a&gt; oder &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Gestalt_et_Jive"&gt;Gestalt Et Jive&lt;/a&gt;.&lt;br /&gt;Hier sind seine Partner der Altmeister Wilber Morris am Kontrabass und der vielseitige Kevin Norton an Vibraphon und Percussion, der bekannt dafür ist, sich Herausforderungen abseits der Konvention zu stellen, etwa mit Anthony Braxton, George Cartwright, Nick Didkowsky, Mark Dresser, James Emery oder Philip Johnston. Hier bestand seine Herausforderung darin, zu Harths wie eh und je gefühlsinnigen, sonoren Archie-Sheppismen, mit denen er jeden Raum auf die Größe seines als 23 verschlüsselten 'Egos', was etwa der Dimension des Planeten Kohutek entspricht, aufzublasen versteht, ein agiles Gegengewicht und gleichzeitig einen swingenden Resonanzboden zu stellen. Harth ist ein unübertroffen lyrischer Melancholiker, der bei den langsamen Stücken einen Ton findet, so mürbe wie Ben Webster, aber ganz ohne Vibrato, und so süß wie türkisches Konfekt. Selbst bei den freien, geräuschhafteren Exkursionen bringt er noch eine Klezmerintensität unter, weiß der Teufel (der weiß es freilich genau), warum ihm nicht die Jazzwelt zu Füßen liegt. &lt;br /&gt;[Bad Alchemy, ba 40 rbd]&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/8736640020032074926-5366215352287421906?l=a23h-ba.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://a23h-ba.blogspot.com/feeds/5366215352287421906/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=8736640020032074926&amp;postID=5366215352287421906' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8736640020032074926/posts/default/5366215352287421906'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/8736640020032074926/posts/default/5366215352287421906'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://a23h-ba.blogspot.com/2008/08/waxwebwindebroadway-trio-viriditas.html' title='waxwebwind@ebroadway - Trio Viriditas             (Clean Feed 003)'/><author><name>kurt</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry></feed>
